Montag, 31. August 2009

Was ist Heiligung?

Jagt dem Frieden nach mit jedermann und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn sehen wird
(Heb 12:14)

Unsere Heiligung scheint also ein äusserst wichtiges Thema zu sein!

Woran denkst du, wenn die Frage aufkommt, ob du ein "heiliges" Leben führst - ein Leben in Heiligung?
Vermutlich in irgend einer Form daran, in wie weit du ohne Sünde lebst - richtig?
Da es da allerdings immer Defizite geben wird, wirst du durch diese Denkweise niemals mit einem befreiten und reinen Gewissen sein können - es betrübt deine Beziehung zum Vater und hindert die Kraft des Heiligen Geistes in deinem Leben!

Was läuft da falsch und warum haben ausgerechnet Christen oft so ein großes "Sündenbewusstsein", das sie niederdrückt und ihr Gewissen z.T. enorm belastet?
Der Weltmensch dagegen begeht die allergrößten Gräueltaten und ist dabei völlig unbekümmert.

Es handelt sich hier wiedermal um eine geschickte Lüge, die uns die Vollkommenheit von Gottes Erlösungswerk madig machen will und uns einreden soll, es käme nun - nachdem wir also Christen geworden sind - darauf an, was WIR tun (oder nicht tun). Tatsächlich aber ist die Heiligung nichts anderes, als das unbeirrte Festhalten an der Wahrheit! Das Schauen auf JESUS und alles, was ER für uns getan hat! Man nennt das auch glauben,

"...dass euch Gott von Anfang an erwählt hat zur Rettung in Heiligung des Geistes und im Glauben an die Wahrheit."
(2.Tess.2,13)

Unsere "Rettung in Heiligung des Geistes" geschieht im Glauben an die Wahrheit - also an JESUS! Wir bleiben nur dann rein und geheiligt, wenn wir an der Tatsache unbeirrt festhalten, dass nur JESUS uns rettet, heiligt und gerecht macht:

"Heilige sie durch die Wahrheit! Dein Wort ist Wahrheit. Und ich heilige mich selbst für sie, damit auch sie Geheiligte seien durch Wahrheit."
(Joh.17,17+19)

Wenn wir meinen, einen anderen Weg der Heiligung gehen zu müssen, werden wir uns im Dickicht des menschlichen Lebens hoffnungslos verheddern und bei dem Versuch scheitern, im Fleisch zu vollenden, was der Geist Gottes an uns begonnen hat. Die Freude im Herrn wird gedämpft sein im Blick auf uns selber und in ständiger Sorge darüber, ob wir denn nun "alles richtig machen" und ein ausreichend "heiliges Leben" führen, wird uns die Welt mit ihren (religiösen) Maßstäben und Forderungen gefangen nehmen und mit ihrem Gift lähmen:

"Schau dich doch mal an, DU willst ein Christ sein?"

Zweifel werden dann an die Stelle der überfließenden Freude über unseren wunderbaren Vater und unser unverdientes und unverdienbares Heil treten. Nicht wenige sind in diesem Teufelskreis vom Glauben abgefallen. Es macht dann auch wirklich keinen Sinn und keine Freude mehr ein Christ zu sein, denn dieser Anspruch ist schlicht unerfüllbar!

Mancher "beruhigt" sein Gewissen auch mit der Ansicht:
"..sooo schlecht lebe ich ja gar nicht" und verfällt damit dem Stolz und aus der Gnade.

Auch wenn wir die Lösung darin sehen, alle Sünden immer wieder zu bekennen, um Vergebung zu erlangen, führt das nur in einen Teufelskreis, in dem wir auf uns selber schauen und mit "Sündensuchgeräten" durchs Leben laufen.

Andererseits bewirkt das Schauen auf Jesus und das Festhalten an der Wahrheit - also das Leben im Geist - sozusagen "ganz nebenbei" und als Frucht, dass wir eine Abscheu gegen jede Unreinheit haben und nichtmehr nach unseren fleischlichen Gelüsten leben:

Wandelt im Geist, und ihr werdet die Lust des Fleisches nicht vollbringen.
(Gal.5,16)


Darum kann Johannes diese wunderbaren Worte schreiben:

"Wir wissen, dass JEDER, der aus Gott geboren ist, NICHT SÜNDIGT, denn die Geburt (o. Zeugung) aus Gott bewahrt ihn, und der Böse tastet ihn nicht an."
(1.Joh.5,18)

"Wir wissen" -
weist du es auch??

Wenn du also aus Wasser und Geist in das neue Leben mit JESUS geboren bist, dann gilt nur EINES:


"Jeder, der in ihm bleibt, SÜNDIGT NICHT; jeder der sündigt, hat ihn nicht gesehen noch erkannt."
(1.Joh.3,6)

Bist du aus göttlichem Samen neu geboren?
Siehst du Jesus in seiner Herrlichkeit?
Hast du die Vollkommenheit seiner Gnade erkannt?

Dann halte daran fest, was auch immer geschieht und gesagt wird, denn das ist es, was wir zur Heiligung unseres Lebens beitragen!

Alles andere ist Gottes Werk:

Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und euer ganzer Geist und Seele und Leib werde tadellos bewahrt bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus. Treu ist, der euch ruft; er wird es auch tun.
(1.Th 5:23,24)

also...
"..haltet den Herrn, den Christus, in euren Herzen heilig!"
(1.Pet.3,15)

... denn anders wird NIEMAND den Vater sehen!

***

Kommentare:

Helmut privat hat gesagt…

Klasse Bento.

Auch wenn wir die Lösung darin sehen, alle Sünden immer wieder zu bekennen um Vergebung zu erlangen, führt das nur in einen Teufelskreis, in dem wir auf uns selber schauen und mit "Sündensuchgeräten" durchs Leben laufen.

Theologisch ließe sich das sicher noch ausarbeiten.
Man könnte da vielleicht noch 1000 erklärende Seiten (die niemand ließt *g*) dazu schreiben.
Geheiligt in der Stellung
unsere tägliche Heiligung, die aufforderung heilig zu leben usw.


Und am Ende sieht es dann so aus, daß wir doch die Sündensuchgeräte haben.


[Hebr 10,2] Hätte man sonst nicht aufgehört, Opfer darzubringen, wenn die, welche den Gottesdienst verrichten, einmal gereinigt, kein Bewußtsein von Sünden mehr gehabt hätten?


Ich denke, daß wir uns in der Praxis und gefühlsmäßig öfters noch im opfersystem des alten Bundes befinden, auch wenn wir theologisch ein ausgeklügeltes System über neutestamentliche Heiligung haben. *g*

Yvonnisonni hat gesagt…

Klasse Ausführung. Wir waren mal in einer Pfingstgemeinde, in der der Begriff "Heiligung" eine doch andere Bedeutung hatte.

Es wird ja auch gerne als "Ermahnung" gebraucht, in dem Sinne beispielsweise : "So lange Du noch rauchst, kannst Du nicht geheiligt sein..." oder "Wenn Du ...(irgendein Dienst in der Gemeinde) machst, kannst Du nicht dies oder jenes (rauchen, Witze erzählen, Füße auf Stühle legen...) tun." Solche Aussagen führen dann ja eher zu einem verdrehten Verhältnis zum Wort Heiligung.

Mit Deinem Beitrag können solche schrägen Vorstellungen noch einmal neu überprüft werden und im besten Fall revidiert werden.

Liebe Grüße und Segen.

mipu hat gesagt…

Auf Jesus sehen! Genau. Hallo Bento, bin durch Helmut auf dich aufmerksam geworden. Ich bin ein W+G Aussteiger. Bin am neu buchstabieren, am entdecken, am Bibellesen. Für mich ist das was ihr schreibt ein wWichtiges Thema, habe aber selber erleben müßen wie aufeinmal Dinge bei W+G eingezogen sind die nichts mit Jesus zu tun haben, trotz das immer gesagt wurde "ich bin gerecht, bin klein Sünder usw" bin dadurch etwas geschädigt und würde momentan eher betonen, das es wirklich wichtig ist gehorsam seinem Wort zu sein und eher darauf zu achten wo ich lieblos und hochmütig bin - Buße tuen. Bin momentan eher dafür eine bußbewegung zu gründen ;)

Bento hat gesagt…

Hi Yvonni :-)
danke für deine Bestätigung!
es ist wirklich ein Hammer, wie man den Leuten weismachen will, sie sollen im Fleisch vollenden, was im Geist begonnen hat!..

Hallo Mipu,
willkommen hier!
Na du bist ja offensichtlich bereits in deiner persönlichen "Bußbewegung" und hast deinen Sinn geändert - herzliches Hurra und Respekt, dass du ausgestiegen bist!! :-)
Das W+G Dilemma stellt tatsächlich solche radikalen Aussagen jetzt mehr und mehr in ein zweifelhaftes Licht - erst dieser Tage meinte jmd. in einer Diskussion "..wohin sowas führt, sehen wir ja aktuell bei W+G" - suuupa Argument gegen bibl. Wahrheit...

ja, es ist sehr zu hoffen, dass eine Bußbewegung in Schwung kommt!!

Segen

Bento hat gesagt…

oh Helmut,
sorry - ich dachte ich hätte schon was zu deinen Bemerkungen geschrieben, aber das war ja auf deinem blog...

ja, man könnte da wirklich ein riesiges theologisches Gebäude errichten (das immer eine Baustelle bleiben würde), doch das Evangelium muss eine einfache und verständliche Sache bleiben, damit auch solche Einfaltspinsel wie du und ich es verstehen können...
;-DD

dikosss hat gesagt…

Amen zu "Auf Jesus schauen": Er ist unsere Heiligung!

Wie verstehst Du die Spannung bei 1.Joh.:
- Wer meint, ohne Sünde zu sein, der lügt.
- Wer noch sündigt, kennt Jesus nicht???

Segen!

Talitakum hat gesagt…

Hi Bento,

um den Begriff Heiligung/ heilig zu verstehen, müssen wir in das AT sehen, und es aus dem hebräischen Verständnis heraus beurteilen.
Damit kommen wir der Angelegenheit auf den Grund.

Sie fertigten auch das Stirnblatt, das heilige Diadem, aus reinem Gold an und schrieben darauf in Siegelgravur: »Heilig dem Herrn«. 2. Mo. 39,30

Das Stirnblatt trugen die Hohepriester.
Sie waren in besonderer Weise dem Herrn heilig. Das bedeutet abgesondert.
Sie hatten nichts mit dem weltlichen Drumherum zu tun.
In dem sie es auf ihrer Stirn trugen, zeigten sie, dass ihr Leben ALLEIN Gott geweiht ist.
Natürlich gehörte auch dazu, dass sie sich fern von Sünde hielten.
Daran, dass sie einmal im Jahr in das allerheiligste im Tempel eintraten und dort um Vergebung für sich und das ganze Volk baten, sehen wir, dass natürlich auch sie die Sündenvergebung brauchten.
Es war ein laufender und stetiger Prozess, in dem sie jedes Jahr auf ein Neues vor Gott traten, um Vergebung der Sünden zu erlangen.

Jesus als unser Hohepriester, tritt seit dem ER zum Vater zurück gekehrt ist, beständig für uns ein.
Wenn wir darin leben, was Jesus getan hat, sind wir im Grunde rein vor Gott.
Und wir haben einen Hohepriester, der für uns eintritt.

Auch das Volk Israel, war dem Herrn abgesondert/ geheiligt.
Es durfte mit den Völkern nicht mit ziehen, und nicht ihre Maßstäbe annehmen.

Und so sieht es Gott für alle Menschen vor.
Jeder einzelne soll sich dem Herrn heilig sprechen.
Wir tragen alle das Stirnblatt auf dem steht: Dem Herrn heilig.

Aber so soll unsere ganze Lebenshaltung sein. Wir leben jetzt nicht mehr für uns, sondern für IHN.
Und das zählt vor Gott.
Wenn wir sagen, wir sind in Christus geheiligt, und weiter nach den Maßstäben der Welt leben, dann sind wir es eben nicht.
Dann leben wir weiter in Sünde.

Und auf unserem Weg mit dem Herrn mit dem Blick auf das Kreuz, werden wir geheiligt. Und hier ist die Absonderung und Reinigung gemeint.
Die Juden heiligten die Geräte des Tempels und des Gottesdienstes - sie reinigten sie und sonderten sie ab für die Zwecke Gottes.
Es war ein ganz, oder gar nicht.

Die Reinigung vollzieht sich im Laufe des Lebens.
Und es muss dafür eine beständige Überprüfung statt finden.
Die tut der Heilige Geist in uns, wenn
wir uns für Ihn abgesondert halten.
Und wir sollten uns auch immer wieder Zeiten für Gott absondern, so wie es das Volk Israel auch tut. Besondere Zeiten der Buße. Es ist eine Tat im und aus Glauben.

Also wir sind ohne Sünde, wenn wir vor dem Kreuz in Demut vor Gott und abgesondert leben.
Wir sind vollkommen gemacht worden durch das Blut Christi, aber eben nicht ohne Fehler und Sünden.
Die werden wir immer tun. Aber wir dürfen entspannen, weil wir wissen, dass wir Ihm gehören. Es kommt nicht mehr auf einzelne Sünden an, wenn wir anerkannt haben, dass Christus unser Retter und Befreier und Heiland ist.

Die Sünden lassen wir und können wir lassen, aus Liebe zu Ihm.

Joa.. habe vieles angeschnitten, aber hoffentlich war es verständlich...
Ich bin jetzt nicht auf einzelne Aussagen von Dir eingegangen, sondern wollte nur generell dazu schreiben.

LG
Stella

Bento hat gesagt…

Hi Dirk,
was für eine Spannung?.. ;-)
Johannes beschreibt am Anfang des Briefes doch die "basics" und dazu gehört eben, dass wir niemals Gemeinschaft mit ihm haben können, wenn wir in der Finsternis bleiben und sagen "wir haben keine Sünde" (siehe die "Söhne Abrahams"- Schriftgelehrten) - wenn wir aber bekennen, dann reinigt ER uns von ALLER Sünde und Ungerechtigkeit.

Das heißt, ER versetzt uns von der Finsternis in das Licht. Hier kann also imho nur von der Bekehrung die Rede sein.
Ab nun ändert sich die Situation und wir werden plötzlich zu "Lügnern", wenn wir diese vollkommene Reinigung bezweifeln und aus eigener Anstrengung nachbessern und erhalten wollen. Dies führt unweigerlich zu Krampf, Streit und ungeistliches Leben. Wenn wir aber daran festhalten, "erkennen" wir es daran, dass "wir seine Gebote" halten - dh. dass "die Liebe Gottes in uns vollendet ist" und wir dadurch auch "die Brüder lieben".

Gott hat vollkommene Fakten geschaffen - wir brauchen den Beistand und die Offenbarung des Hl.Geistes, damit wir "nicht sündigen" und wir in der Wahrheit dieser Fakten auch bleiben (wandeln) - z.B. V.12ff!

ähm - hatte ich das nicht erst kürzlich auf deinem Blog bereits bemerkt...
;-)

Segen

Bento hat gesagt…

Hi stella,
danke für deine ergänzungen und Hinweis auf das AT!
Ja, wir sind machtvoll herausgerufen aus der Knechtschaft und sollten nicht zurück auf die "Fleischtöpfe Ägyptens" schauen, sondern in völliger Gewissheit des Glaubens das Land einnehmen, dass Er uns verheissen hat!

Segen

Bento hat gesagt…

ähm sorry, ich muss mich korrigieren:
Die "Gewissheit des Glaubens" bezieht sich auf die Tatsache, dass Gott in uns Wohnung genommen hat, wir jederzeit vor ihm leben und ER "mitten unter uns" ist.
(2.Mos.25,8 Das erste, was das befreite Volk tun soll, ist eine Wohnung für Gott "nach dem Urbild" bereitstellen!)
..was aber die Einnahme des gelobten Landes betrifft, da ist "Gehorsam" und Vertrauen wohl das richtige Mittel!

Helmut privat hat gesagt…

@bento

Ein Einfaltspinsel,Schöööön, das will ich sein. ;-)
Ein Pinsel der lebendige Bilder in die Herzen malt, nicht mit Wasserfarbe, sondern mit dem Geist............
(Ich hoffe, dein Blog bekommt jetzt keinen New Age Stempel)

Und einfältig genug bin ich zu glauben, daß Gott mich gebraucht!!!!:-)

Einfaltspinsel
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Stefan hat gesagt…

Also Bento, es mag ein wenig spät sein, auf dein Post einzugehen, aber Zeit ist ja ohnehin nur ein irdischer Begriff :D

Zuletzt war vom Einfaltspinsel die Rede, da komme ich (ein wenig frei assoziierend...) zu einer anderen Einfalt, zum "einfältigen Gehorsam", Bonhoeffer, genau, mit dessen Schrift über die Nachfolge ich mich gerade in einigen Posts auseinandergesetzt habe...

Aber der Reihe nach: Unter heiligem Leben verstehe ich (als Schäflein der heiligen katholischen Kirche) weniger ein sündenfreies Leben, als vielmehr eines - in der Nachfolge Jesu!

Jesus liebt uns total ;-) und da befinden wir uns ohne jeden weiteren Zwischenschritt sofort in 'tiefen Gewässern', denn Jesus fordert uns unmissverständlich auf, ihm zu folgen... Er tut dies klar und unnachgiebig: "Verkauf deinen Besitz... und folge mir nach!"

Bonhoeffer finde ich sehr beeindruckend, wei er nicht herumlabert, sondern glasklar seine Schlüsse zieht (und in dieser Konsequenz seines Denkens auch sein Leben gegeben hat).

Nicht wir machen ein Angebot an Gott (wie oft ich mir allein dieses Sätzlein vorsagen muss!), sondern Gott/Jesus ruft uns... Aber lassen wir diese Geschichte mal weg, ob und wann wir gerufen werden. (Übrigens auch ein spannendes Thema :D)

Du sagst in deinem Post, das ich über weite Strecken super finde: "Zweifel werden dann an die Stelle der überfließenden Freude... treten. Nicht wenige sind in diesem Teufelskreis vom Glauben abgefallen. Es macht dann auch wirklich keinen Sinn und keine Freude mehr ein Christ zu sein, denn dieser Anspruch ist schlicht unerfüllbar!"

Ist schon klar, auch in unseren Ansprüchen gilt es irgendwo Maß zu halten. Weiter sagst du: "Auch wenn wir die Lösung darin sehen, alle Sünden immer wieder zu bekennen um Vergebung zu erlangen, führt das nur in einen Teufelskreis, in dem wir auf uns selber schauen und mit "Sündensuchgeräten" durchs Leben laufen."

Da haben wir einen Knackpunkt erreicht: Das Gewissen. Das ist eine so faszinierende und große "Einrichtung", die eigentlich immer richtig liegt: Und zwar deshalb, weil es der blankgeputzte Spiegel in unserer Seele ist, den der wunderbare Vater und sein liebender Sohn für uns bereithalten...

Da braucht es also kein eigenes Suchgerät, denn bei jeglicher Innenschau, bei jedem intensiveren Beten kann ich alles erreichen - nur nicht an diesem Spiegel vorbeischauen. Ich will es auch gar nicht! Schließlich ist es kein schlechtes Ziel, wachsen zu wollen, gehorsam sein zu wollen, und vor allem zu lieben - und lieben heisst u.a. antworten, also gehts gar nicht ohne Spiegelschaun :D = bekennen!

Aus deinen Zeilen spricht mir da zuviel Leichtigkeit des Seins - die ich in jedem Fall gut und wichtig finde - aber es gibt auch die Schwierigkeit des Seins, oder etwa nicht ???

Die Frucht des Festhaltens an der Wahrheit - das Leben im Geist - da bin ich wieder voll bei dir, wobei meine Erfahrung mir sagt: Ohne den "Schatz" des Sakraments der Versöhnung möchte (und kann) ich nicht leben...

Freue mich schon auf weitere spannende Posts von Dir!
Gruß und Shalom!

Bento hat gesagt…

Hallo Stefan,
willkommen hier und danke für deinen freundlichen Kommentar!
(Es gibt hier noch einen anderen katholischen Stefan, daher habe ich es nicht gleich geschnallt, dass du ein "Neuer" bist ;-))

Ja, die Einfalt ist eine große Tugend (das war schon der kleine Wink in meiner Aussage), ich dachte da allerdings mehr an Verse wie im 2.Kor.1,12 und 11,3, denn mit Bonhoeffer habe ich mich noch nicht viel befasst - war aber ganz sicher ein integerer Christ. Die Einfalt steht im krassen Gegensatz zur "Vielfalt", wie wir sie leider nicht nur in der Welt als Maxime finden.

Ich möchte hier gerne auf deinen "Knackpunkt" eingehen:
Du hast völlig recht, das Gewissen ist ein "Spiegel der Seele" und ein wichtiges "Bordinstrument" des Menschen. Ich meine aber, es ist das Instrument des "natürlichen Menschen" - jeder hat es, auch wenn es viele schon zum Schweigen gebracht haben.

Wir als "Reingewaschene" haben da ein viel besseres "Meßinstrument", das uns die Wirklichkeit unseres Wesens und besonders auch des Wesens Gottes zeigt - unseren lebendigen Geist! Er allein kann die Dinge im göttlichen Licht erkennen und somit der Wahrheit gemäss wahrnehmen: " Uns aber hat es Gott offenbart durch den Geist..." 11.Kor.2,10-13.

Ich hoffe, du kannst mir bei dieser wichtigen Unterscheidung zustimmen, denn das Gewissen bleibt uns als "Navigationsgerät" zwar weiter erhalten und soll auch dabei helfen, auf dem göttlichen Weg der Heiligung zu bleiben, aber als "Erkenntnisquelle" über unser Selbst halte ich es für völlig ungeeignet. Letztlich ist es genau dieser Punkt, warum viele Christen so sehr leiden unter dem, was ihnen ihr Gewissen wiederspiegelt: Es ist das Wekzeug des natürlichen Menschen und es beurteilt nicht geistlich. Es ist sogar das "Werk des Gesetzes" in den Herzen! - Röm.2,15

Das allerdings, was wir aus dem Geist Gottes in unserem Geist empfangen, macht uns wirklich fähig, als Kinder Gottes zu leben: "Denn soviele durch den Geist Gottes geleitet werden, die sind Söhne Gottes..." Röm.8,14-16!

Nur so überwinden wir in der Tat weit über das hinaus, was unser Gewissen zu "orten" vermag und bleiben in der Heiligung des von Jesus erwirkten Heils: '..lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen in voller Gewissheit des Glaubens, die Herzen besprengt und gereinigt vom bösen Gewissen und den Leib gewaschen mit reinem Wasser." Heb.10,22

Ja, nur das Blut Jesu reinigt unser Gewissen und so bewahren wir das Geheimnis des Glaubens! Ich meine, wir könnten alle deutlich mehr "Leichtigkeit des (Christ-)Seins" gebrauchen - das Leben ist hart genug... :-D

LG + Segen

Stefan / zeitzubeten hat gesagt…

Danke, Bento, für deine Zeilen!

Da werde ich nun, wo ich doch vom Wort Gottes spreche, zum Heiden gestempelt... :-)

Ok, es gibt diese jedem Menschen zugängliche Innenschau. Sie kann dazu führen, dass der Mensch nur einem Menschengesetz folgt... und kein berufenes Leben im Geist findet.

Wir wollen aber (jetzt greife ich deine Zitierungen auf) - leben aufgrund göttlicher Gnade, - in der reinen Hingabe an Jesus, - wir wollen gerecht sein und das Gesetz tun, - wir wollen Söhne Gottes sein und uns vor allem vom Geist Gottes leiten lassen.

Nach meiner Erfahrung finden wir "Suchende und Gläubige", die sichtbar und fühlbar "im Geist leben" - herrliche Vorbilder, die ihre Gnade erlebt haben und aktiv umsetzen. Aber - Vorsicht: weiterer Knackpunkt - das ist doch bestenfalls eine kleine Minderheit!!

Die Gnade Jesu Christi ist für alle da, keine Frage. Doch muss eine große Mehrheit sich aufmachen auf den "Weg zum Geist", benötigt dabei das Bordinstrument Gewissen, und findet über die christliche "Unterscheidung der Geister" einen Weg, der vielleicht/hoffentlich zur Gnade führt, zum Leben im guten Geist.

Du sagst:
"Das allerdings, was wir aus dem Geist Gottes in unserem Geist empfangen, macht uns wirklich fähig, als Kinder Gottes zu leben."

Kannst du
1) dieses Empfangen aus dem Geist Gottes aus deiner Wahrnehmung, aus deiner Gottes/Geisterfahrung, ein wenig schildern?
2) zustimmen, dass bei den Menschen, die diese Gnade noch nicht erreicht oder erkannt haben, zuerst der Wille und das Befolgen des Wortes da sein soll, denn man kann nicht einfach dasitzen und die Gnade erwarten, sondern muss sein "heidnisches" Gewissen mit dem Geist/Wort Gottes anreichern?

Shalom und LG, Stefan.

Helmut privat hat gesagt…

Hallo Stefan,
darf ich mich in euer Gespräch mit Bento einmischen,

Bento hat gesagt…

Hallo Stefan,
also "abstempeln" möchte ich dich ganz sicher nicht! ... ;-)

du sprichst von "berufen sein" - ein großes Thema!
Wozu wurden denn die Jünger berufen - "...damit sie bei Ihm seien"!
und diese Gemeinschaft ist das, was uns heiligt.
Sie geschieht jetzt im und durch den Hl.Geist, der durch die Liebe ausgegossen ist in unsere Herzen - seltsamer Weise haben viele Christen diesen Geist (noch) nicht "empfangen" und er wartet geduldig im Vorzimmer des Herzens, während drinnen fleissig versucht wird, Gottes Gebote zu erfüllen - was für ein fataler Irrtum.

Du wirst da leider recht haben mit der "kleinen Minderheit", aber den Knackpunkt sehe ich hier in Lehre und Struktur der Gemeinde. Wo das Leben im Geist nicht das Zentrum ist und dem Hl. Geist nicht Raum gegeben wird, seine Geschenke zu verteilen und die Christen zu befähigen, da haben wir eine kraftlose Nachfolge, die sich mühsam in das (in der Zukunft vermutete) Reich Gottes retten will...

Du hast den "Weg zum Geist" in Anführungsstriche gesetzt - das finde ich richtig, denn es ist eigentlich der "Weg im Geist", den wir entweder gehen oder mit unserer eigenen Fleischlichkeit kämpfen und daran scheitern. Das bringt Paulus im Röm.7 und 8 wunderbar zum Ausdruck, wie wichtig da die klare Unterscheidung ist.

Natürlich stimme ich dir zu, dass man nicht einfach dasitzen kann, sondern nach den Gaben des Geistes streben soll! Der Wille dazu wird aus der Erknenntnis geboren und genährt, dass wir aus uns selber heraus völlig unfähig sind, das "Wort zu befolgen" - die Wirksamkeit des Geistes aber steht niemals dem Wort entgegen!

Ja, wir quälen uns tatsächlich viel zu oft mit einem "heidnischen Gewissen" herum, wir sollten es vielmehr unbefleckt halten - denn Jesus hat es gereinigt!

Wow - das hört sich ja fast nach "schlauer Theologie" hier an ;-)...

Was ich über den Empfang und die Wirksamkeit des Geistes Gottes zu sagen weis, habe ich z.B. zu Beginn diesen Jahres in einer Postreihe beschrieben - schau mal in der Sidebar im Januar nach oder unter dem Label "Heiliger Geist", wenn es dich interessiert.

LG + Segen