Samstag, 18. Februar 2012

Keine Blutwurst?

Wir leben hier auf dem Lande und haben erst kürzlich wieder ein Schwein geschlachtet.
Da wir Christen sind und eine Bibel haben, kennen wir auch diese Schriftstelle:

"Denn es hat dem Heiligen Geist und uns gut geschienen, keine größere Last auf euch zu legen, als diese notwendigen Dinge:
Enthaltet euch von Götzenopfern und von Blut und von Ersticktem und von Hurerei."

(Apg 15:28)

Götzenopfer und Hurerei leuchtet sofort ein, doch warum Blut und Ersticktes?

Es heißt ja hier im Text, dass wir uns enthalten / fernhalten sollen von Götzenopfern und damit vom Götzendienst. Bei diesen heidnisch-kultischen Ritualen wurde (und wird auch heute noch) gerne Blut getrunken; werden Tiere rituell getötet und auch Unzucht getrieben, genau davon sollen wir uns selbstvertändlich fernhalten.
Wir lesen schnell etwas in einen Text hinein, was dort gar nicht steht. Es heißt hier eben nicht: "Esst kein Götzenopferfleich, trinkt kein Blut" usw...

Es gibt schließlich auch etliche Stellen im NT die klar besagen, daß wir alles essen dürfen,
Jesus erklärt unmissverständlich:

Seid auch ihr so unverständig? Begreift ihr nicht, daß ALLES, was von außerhalb in den Menschen eingeht, ihn nicht verunreinigen kann?
Denn es geht nicht in sein Herz hinein, sondern in den Bauch, und es geht heraus in den Abort, indem so ALLE Speisen gereinigt werden.

(Mar 7:18+19)

Aber auch in vielen anderen Schriftstellen wie z.B. Röm.14,20; 1.Kor.10,30; Kol.2,16+21-22; 1.Tim 4,3-4; Hebr.9,10 usw., wird dasselbe gesagt – ja sogar Fleisch, das den Götzen geopfert wurde, ist für Christen nicht tabu!

Aber nicht alle haben die Erkenntnis, sondern etliche essen infolge ihrer Gewöhnung an den Götzen das Fleisch noch immer als Götzenopferfleisch, und so wird ihr Gewissen, weil es schwach ist, befleckt.
Nun verschafft uns aber das Essen keine Bedeutung bei Gott; wir sind nicht mehr, wenn wir essen, und sind nicht weniger, wenn wir nicht essen. Sehet aber zu, daß diese eure Freiheit den Schwachen nicht zum Anstoß werde!

(1.Kor 8,7-9).

Da die Schrift sich nicht widerspricht, kann also oben auch nicht die Blutwurst & Co. gemeint sein.

Einzig mit Rücksicht auf die "Schwachen im Glauben" sollen wir uns in ihrer Gegenwart zurückhalten, damit ihr Gewissen nicht durch unsere Freiheit belastet wird:

Darum wenn eine Speise meinem Bruder zum Anstoß wird, so will ich lieber in Ewigkeit kein Fleisch essen, damit ich meinem Bruder keinen Anstoß gebe.  
(Vers.13)

Dir Verse 10-12 führen das noch genauer aus.



Dennoch werden von pharisäerhaft gesinnten Menschen oft genug diese und ähnliche Lasten auf die Gläubigen gelegt und damit die Gewissen belastet. Ja es wird mit erhobenem Zeigefinger sogar die Heilsfrage damit verbunden, Geschwister vom Herrenmahl ferngehalten oder sonstige religiösen Repressalien erfunden.

Das alles ist durchaus keine unbedeutende Nebensache sondern religiöser Irrwahn. Letzlich wird so nämlich ein anderer Jesus gepredigt und ein anderer Geist empfangen und ein anderes Evangelium verkündet!

Denn wenn jemand kommt und einen anderen Jesus predigt, den wir nicht gepredigt haben, oder ihr einen anderen Geist empfangt, den ihr nicht empfangen habt, oder ein anderes Evangelium, das ihr nicht angenommen habt, so ertragt ihr es gut.
(2.Kor.11:4)

Nein, wir ertragen es nicht, denn es ist unerträglich!

Was aber die eingeschlichenen falschen Brüder betrifft, die sich eingedrängt hatten, um unsere Freiheit auszukundschaften, die wir in Christus Jesus haben, damit sie uns unterjochen könnten, denen gaben wir auch nicht eine Stunde nach, daß wir uns ihnen unterworfen hätten, damit die Wahrheit des Evangeliums bei euch bestehen bliebe.
(Gal 2:4+5)

***


Besonders gerne werden auch die 10 Gebote und bes. der Sabbath herangezogen, um unsere Freiheit und das Werk des Christus zunichte zu machen - daher weise ich hier nochmal auf meine dreiteilige Serie zum Sabbath hin, in der ein Artikel speziell dem Gesetz gewidmet ist.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Das hat nichts mit Gesetzlichkeit zu tun, dass die "Gesetzlichen" am alten Testament und an den Gesetzen festhalten. Der zitierte Bibelvers steht aber im neuen Testament. Ich bin kein gesetzlicher, weil für mich Jesus das Gesetz nicht abgeschafft hat, sondern erfüllt hat. Damit meine ich, wenn einer einen Auftrag erfüllt hat, hat er in nicht abgeschafft, aber abgeschlossen. Jesus hat das Gesetz erfüllt, da er durch seinen Opfertod das Gesetz, das sowieso nie einer halten konnte, für uns erfüllt hat und somit ist diese Kapitel grob gesagt, für uns abgeschlossen. Nun aber zur Blutwurst: In der Schlachter Übersetzung werden diese Verse Apostelgeschichte 15, 28 und 29 deutlicher: "Geleitet durch den Heiligen Geist kamen wir zu dem Entschluss, euch außer den folgenden Regeln keine weitere Last aufzuerlegen: Ihr sollt kein Fleisch von Tieren essen, die den Götzen geopfert wurden, außerdem kein Fleisch von Tieren, die nicht völlig ausbluteten, und ihr sollt auch kein Blut verzehren. Hütet euch vor verbotenen sexuellen Beziehungen. Wenn ihr danach handelt, verhaltet ihr euch richtig. Herzliche Grüße an euch alle.«"

Wenn ich eine Blutwurst esse, verzehre ich Blut, das vorher aus einem Tier "abgelassen" wurde, weil es ja ausbluten soll. Ich kann doch nicht ein Tier ausbluten lassen und auf der anderen Seite das Blut wieder auffangen um es in abgewandelter Form wieder zu verzehren. Das ist ja eine Maultaschentaktik.
LG Karsten

Bento hat gesagt…

Hallo Karsten,
die Schlachterübersetzung ist hier keineswegs besser, denn sie fügt vieles erklärend und interpretierend hinzu, was im Grundtext gar nicht steht - dort steht nur "..fernhalten von Gotzenopfer und Blut und Ersticktem und Hurerei".

Man muss diese Stelle schon im Kontext der übrigen im Text angegebenen Schriftstellen sehen, um zu erkennen, dass es hier auch nicht um ein Speisegebot gehen kann:

1Ti 4:3 ..verbieten zu heiraten, und gebieten, sich von Speisen zu enthalten, welche Gott geschaffen hat zur Annehmung mit Danksagung für die, welche glauben und die Wahrheit erkennen.
1Ti 4:4 Denn jedes Geschöpf Gottes ist gut und nichts verwerflich, wenn es mit Danksagung genommen wird;
1Ti 4:5 denn es wird geheiligt durch Gottes Wort und durch Gebet.

..und im Übrigen: Wieso sollte man denn das Blut nicht auffangen können, wenn ein Tier ausblutet? Man braucht nur eine Schüssel dazu! ;-) ...

Anonym hat gesagt…

Diese freie, weit ausufernde Umschreibung ist doch nicht aus der Schlachter-Bibel, sondern aus der Hoffnung für alle.

Apg. 15,28-29 in der Schlachter 2000 lautet:

28 Es hat nämlich dem Heiligen Geist und uns gefallen, euch keine weitere Last aufzuerlegen, außer diesen notwendigen Dingen,
29 daß ihr euch enthaltet von Götzenopfern und von Blut und vom Erstickten und von Unzucht; wenn ihr euch davor bewahrt, so handelt ihr recht. Lebt wohl!

Grüße tape

Bento hat gesagt…

..stimmt, danke tape!

Ulli P. hat gesagt…

Hallo Bento,
ich sehe mich auch nicht an das Gesetz gebunden, sondern frei in Christus. - Aber was diesen Vers angeht, denke ich doch, das man sich danach richten sollte. Denn zum einen wird es von ihm als einzige "Last" aufgeführt, also schon etwas an das man sich auch dann halten sollte, wenn man doch mal Appetit auf ´ne schöne Blutwurscht bekommt. Zum anderen wird im gleichen Atemzug von Unzucht gesprochen, von der man sich ebenso enthalten soll, was ja nun nicht zu relativieren ist.
LG Ulli

Pilgerer hat gesagt…

Hallo Bento,

bitte entschuldige, dass ich diesen älteren Post nochmal an die Oberfläche hole. Ich bin über diesen Post http://bento-bernd.blogspot.de/2014/10/ehe-und-sex.html drauf gekommen.

Ich muss zugeben, dass ich mich ebenfalls von "Blutwurst" - jetzt mal als Synonym für alle Nahrungsmittel die Blut enthalten - ferngehalten.

Allerdings nicht aus gesetzlichen Gründen, sondern weil Blut (und ich meine das auch in der Bibel recht deutlich rauslesen zu können)kein Nahrungsmittel ist.

Ich stimme Dir und allen verwendeten Bibelzitaten was Nahrungsmittel angeht von Herzen zu.

Nur meine(te) ich bis jetzt jedenfalls, dass Blut ein heiliger Stoff ist, kein Nahrungsmittel.

Als Grundlage meines Denken und Handelns nenne ich jetzt mal auszugsweise z.B. 3. Mose 7,26 f oder aber 3. Mose 17,10 ff.

Ich möchte sicherlich keine Grundsatzdiskussion auslösen. Aber Blut ist - so meine ich - in der Bibel ein heiliger Stoff.

Von daher fällt nach meiner Interpretation ;) Blut nicht unter die Ausführungen Paulus.

Liebe Grüße und Gottes Segen Quin