Donnerstag, 28. April 2011

Der Sabbath Teil 1 "Tag des Herrn"

Aufgrund interessanter Erkenntnisse, die ich auf Facebook im Austausch mit Verfechtern des "Sabbathgebotes" erneuert und vertieft habe, werde ich hier nun in Folge einige Aspekte zu diesem Themenkreis posten.

Viele sind völlig überzeugt, dass wir als Christen den Sabbath halten sollen oder sogar müssen, andere sind sich genauso gewiss, dass auch dieses Gebot in Christus erfüllt ist und wir allein IN IHM die Ruhe von unseren eigenen Werken finden.

Schließlich finden wir im gesamten Neuen Testament nicht EINEN EINZIGEN Hinweis, einen Aufruf oder eine Ermahnung: "..und vergesst bloß nicht, den Sabbath zu heiligen!" Dennoch scheinen einige Gemeinschaften grade mit dieser Frage sehr viel zu verbinden, ja es wird gelegentlich sogar mit der Frage nach Gottgefälligkeit und Heil verbunden - also wer und wie man in das Reich Gottes eingeht.




In der Regel wird man also weder die Einen noch die Anderen vom jeweiligen Gegenteil überzeugen können, und das ist soweit auch völlig ok, denn Paulus stellt ausdrücklich fest:

"Der eine hält einen Tag vor dem anderen, der andere aber hält jeden Tag gleich. Jeder aber sei in seinem eigenen Sinn völlig überzeugt!"
(Röm.14,5)

Eine Vielzahl von Christen wird sich hierbei aber gar nicht soooo sicher sein und besonders wenn man es mit den eifrigen Sabbath-Verfechtern zu tun bekommt, kann manchem wohl mulmig werden, ob man nicht doch gegen Gottes ausdrücklichen Willen handelt, indem man entweder den Sonntag als Ruhetag hat, oder gar keinen Tag dem anderen vorzieht...


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Heute möchte ich hier zunächst einen in diesem Zusammenhang oft gehörten Begriff unter die Lupe nehmen:

"Tag des Herrn"

Dieser Begriff wird gerne sowohl für den Sabbath verwendet als auch für den Sonntag, um ihm jeweils eine besondere Bedeutung zu geben und gewissermassen die Authorität Gottes zu verleihen. Doch der bibl. Befund zu "Tag des Herrn" ist ganz anders:

Dieser Begriff steht weder mit dem Sabbath noch mit dem Sonntag oder mit irgend einem anderen best. Wochentag in irgend einer Verbindung, sondern IMMER mit dem Gericht Gottes am Ende der Zeiten!

z.B:

"..die Sonne wird verwandelt werden in Finsternis und der Mond in Blut, ehe der große und herrliche Tag des Herrn kommt."
(Apg.2,20)

Dies gilt übrigens auch für das Alte Testament, z.B:

Des HERRN großer Tag ist nahe, er ist nahe und eilt sehr. Horch, der bittere Tag des HERRN! Da werden die Starken schreien.
(Zef 1,14)

..die einzige Ausnahme von dieser Regel scheint zu sein:

"Wenn du deinen Fuß vom Sabbat zurückhältst, deine Geschäfte an meinem heiligen Tag zu treiben, und nennst den Sabbat eine Wonne und den heiligen Tag des HERRN ehrwürdig, und wenn du ihn ehrst, so dass du nicht deine Gänge machst, deinem Geschäft nachgehst und eitle Worte redest.."
(Jes.58,13)

Doch im heb. Text steht hier gar nicht "Tag Jahwes" - dieser "Tag" wurde einfach hinzugefügt!
Selbst die Elberfelder erlaubt sich das, ich habe nur in der Schlachter 2000 den "Tag" in Klammern gesetzt gefunden und die engl. King James übersetzt richtig:

"If thou turn away thy foot from the sabbath, from doing thy pleasure on my holy day; and call the sabbath a delight, the holy of the LORD, honourable; and shalt honour him, not doing thine own ways, nor finding thine own pleasure, nor speaking thine own words."

Im Übrigen ist auch ein Vers sehr aufschlußreich, der gerne als scheinbarer Beleg für einen besonderen Wochentag herangezogen wird:

"Ich war an des Herrn Tage im Geist, und ich hörte hinter mir eine laute Stimme wie die einer Posaune, welche sprach.."
(Off.1,10)

So beginnt Johannes die ausführliche Offenbarung.
Es wird gerne behauptet, es müsse sich hier also um den Sabbath (oder wahlweise den Sonntag) handeln, doch hier redet Johannes gar nicht vom Sabbath oder irgend einem anderen best. Tag, der auf göttl. Authorität beruht, sondern hier findet eine andere Form des sonst gebrauchten griech. κύριος = kurios Verwendung, näml. κυριακός = kuriakos. Diese Form nimmt nicht auf die Authorität Gottes Bezug , sondern bezeichnet etwas als (vom Menschen ausgehend) Gott zugeordnet - also "göttlich". Johannes war im Geist und wenn man die Welt geistlich betrachtet, dann erkennt man leicht, dass Gott jeden neuen Tag werden lässt!

Es ist also ein großer Unterschied:
Einerseits ein best. von Gott auserwählter und authorisierter Tag, andererseits ein beliebiger vom Menschen Gott geweihter Tag!


Das alles mag nun für den ein oder anderen gradezu spitzfindig erscheinen, doch der unbiblische Gebrauch eines Begriffes bedeutet ja stets eine Umdeutung seines eigentlichen Inhalts - wir sehen das bei Begriffen wie "Taufe" oder "Pastor" auch sehr deutlich und es betrifft eben offensichtlich auch den oft erwähnten
"Tag des Herrn"

Es wird aber der Tag des Herrn kommen wie ein Dieb, an welchem die Himmel vergehen werden mit gewaltigem Geräusch, die Elemente aber im Brande werden aufgelöst und die Erde und die Werke auf ihr verbrannt werden.
(2.Pet.3:10)

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Im 2. Teil geht es dann um die wichtige Frage nach dem Gesetz.

Kommentare:

Deborah hat gesagt…

Mit dem Begriff Tag des HErrn als meist als Gerichtstag verwendet, gehe ich mit dir konform.

Allerdings: auf welchen Tag des HErrn wird in Offb 1,10 Bezug genommen? Den Auferstehungstag oder den Gerichtstag?

Paulus nennt den Auferstehungstag umschrieben in Apg 20,7 als ersten Tag der Woche..und sie trafen sich abends zu Tagesbeginn nach dem Shabbat...also Samstagabend in unserem Sprach- und Zeitgebrauch.....oder doch morgens um 8 oder 10 Uhr zur regulären GoDi-Zeit und der Paulus predigte den ganzen Tag bis weit über Mitternacht hinaus? ;-)

Ob der Shabbat so unerheblich ist....da kann man unterschiedlicher Meinung sein. Jedenfalls kann man ihn nicht gegen den Sonntag austauschen, weil beide Tage einen unterschiedlichen Inhalt haben.

Der Shabbat steht in der Aufzählung der 7 Feste des HErrn.
siehe: 3. Mose 23

also müsste man korrekt formulieren: der Tag eines Festes des HErrn

Wird bestimmt spannend, was du noch so ausgräbst ;-)

Bento hat gesagt…

Hallo Deborah,

eigentlich dachte ich den Unterschied klar herausgestellt zu haben, der in Off.1,10 zutage tritt. Johannes hatte diesen Tag dem Herrn geweiht (gewidmnet) und nicht profanen Dingen...

jo - es bleibt spannend... mein Problem ist grade die Flut an Material zum Thema so zu komprimieren, dass es übersichtlich bleibt und dennoch das Wichtigste gesagt ist ;-))...

Segen

Deborah hat gesagt…

Es gibt auch eine mögliche Lesart der Offenbarungsstelle, dass er den Sonntag gemeint haben könnte, bzw. den Vorabend.

Ob die junge Gemeinde sich regelämßig oder unregelmäßig getroffen hat, hab ich noch nicht anhand der griechischen Grammatik nachgeforscht.

Für mich ist erst mal der wesentliche Knackpunkt: der Shabbat ist ein Fest des HErrn, ein Fest JHWHs.

Donralfo hat gesagt…

steht nicht irgendwo im AT daß der Sabbat eine "ewige Satzung" ist?

zubasti hat gesagt…

Schabbat oder Sonntag? Hallo Bento,
ich würde die Frage nicht so sehr auf dieses eine Fest konzentrieren. Es geht ja auch um die Frage, ob wir Passah oder Ostern feiern sollen, bzw. ob wir die römisch-katholischen Feste oder die Feste Israels feiern sollten. Für mich waren die Feste Israels eine aufregende und großartige Entdeckung, die ich nicht mehr missen möchte. Mein Glaubensleben wurde dadurch sehr bereichert und meine Erkenntnis über das Wort Gottes und Jesus ist durch das Feiern und Nachdenken über die Feste enorm vertieft worden. Meiner Meinung nach sind wir Teil Israels, weil uns der Messias als wilden Ölzweigs in den edlen Baum eingepfropft hat. Deshalb sind auch die Feste Israels für uns da!

Bento hat gesagt…

..ja Donralfo - irgendwo steht auch im AT, dass jeder, der den Ssabbath nicht hält, gewiss des Todes sterben und aus dem Volk ausgerottet werden mus...
;-)

Hallo Zubasti,
das ist eine gute Erklärung und kann ich sehr gut nachvollziehen, dass die Feste eine Bereicherung und Vertiefung sein können. Mir geht es hier darum festzustellen, ob es für die Heidenchristen als verbindl. Regel (Gebot) festgelegt ist.

Gruß und Segen

Claudia H. hat gesagt…

Für mich gehört der Sabbat noch zum alten Bund. Wer hier nach dem Gesetzt zu handeln versucht, tut das, was in Galater 5, 4 steht: "Wenn ihr versucht, mit Hilfe des Gesetzes vor Gott gerecht dazustehen, habt ihr euch aus der Verbindung mit Christus gelöst und habt den Weg der Gnade verlassen."
Ich habe eine Freundin, die folgendes geschrieben hat: "Hallo liebe Claudia, ich muss dir sagen- ich feiere Schabbat (am Samstag) und am Sonntag - feiere ich Jesus. Und auf Schabbat liegt ein mächtiger Segen drauf. Ich möchte die Gebote halten und zwar aus Liebe, Gehorsam und Demut- das heißt nicht , dass ich sie nicht übertrete-doch, und wie oft, aber ich weiß, ich kann immer zu Jesus kommen, weil er EINMAL für alle meine Sünden gestorben ist und ER mein Erlöser ist."
Sie tut das nicht aus Gesetzesbefolgung heraus, sondern aus einer ganz anderen Herzenshaltung. Und da freut sich Gott über seine Kinder. Wenn wir die Gnade annehmen, ihm aber doch durch unser Verhalten eine Freude machen.

Bento hat gesagt…

Hallo Claudia, ich kann das soweit nachvollziehen, allerdings sollte man Folgendes bedenken - das Gesetz war dem Volk Israel gegeben, um es auf Christus hin zu bewahren.
Entgegen der Aussage deiner Freundin "Und auf Schabbat liegt ein mächtiger Segen drauf." halte ich dafür, dass wir ALLEN geistl. Segen ALLEIN durch Jesus erhalten haben:
Eph 1:3 Gepriesen sei der Gott und Vater unsres Herrn Jesus Christus, der uns mit jedem geistlichen Segen gesegnet hat in den himmlischen Regionen durch Christus;

Was immer wir in dieser Gewissheit tun, ob wir essen oder nicht essen, ob wir einen Tag dem anderen bevorzugen oder nicht - der Segen wird uns einzig durch Christus zuteil.

LG + Segen

Claudia H. hat gesagt…

Hallo Bento, hier noch mal der Text, den ich am Sonntag gepostet habe: (Weiß nicht, ob du das gelesen hast) „Also, vom ständigen Gesetze einhalten halte ich ehrlich gesagt gar nichts.
Seit durch Jesus der neue Bund geschlossen wurde, leben wir doch nicht mehr unter dem Gesetz!
Der alte Bund hat zudem eh nur für die Juden gegolten. Für mich ist nicht nur der Sabbat (oder Sonntag) dazu da, um Gott anzubeten. Das tue ich jeden Tag!
Habt ihr eigentlich den Galaterbrief gelesen? Durch das Gesetz wird niemand gerettet. Nur die können vor Gott bestehen, die ihr Vertrauen auf Jesus Christus setzen. „Niemand steht durch das Befolgen von Gesetzesvorschriften vor Gott gerecht da.“
Wer sich nicht voll auf die Gnade Gottes verlässt und versucht es durch eigene gute Werke und Gesetzesbefolgung zu schaffen, wird scheitern.
Wer die Liebe zu Gott im Herzen hat, wird seine Gesetze automatisch befolgen. Aber nicht aus „Muss“ sondern aus Liebe. Die Gesetze konnte noch kein Mensch kompl. einhalten. Weder die Pharisäer und Juden noch die Christen. Deshalb wurde Gott ja in Jesus Mensch, um für uns eine Möglichkeit zu schaffen, zu Gott zu kommen. Da Gott heilig ist, wird niemand der nur einen winzigen Schmutzfleck hat, zu ihm gelangen. Nur durch Christus in uns, ist das möglich!
Wenn ihr da anderer Ansicht seid, dann fragt euch doch, wie Jesus darauf reagiert hätte. Die Weisheit, wie Jesus sie hatte, habe ich dann doch nicht.“
Mag sein, dass auf dem Sabbat Segen drauf liegt. Das will ich nicht abstreiten. Aber ich denke, das ist Segen nach dem alten Bund. Auf den Segen aus dem neuen Bund, lege ich viel mehr Wert. Da halte ich übrigens das Abendmahl als sehr viel wichtiger, als den Sabbat. Das würde ich gern seeehr viel öfter tun.

Claudia H. hat gesagt…

Hey, das mit dem Abendmahl aber bitte nicht falsch verstehen!
Das sollte niemals zum Ritual werden!
Das funktioniert sicher nicht. Gott sieht nämlich das Herz an!

Und das habe ich heute Abend noch gelesen: Galater 4, 10: "Ihr fangt an, auf besondere Tage, Monate, Zeitrüume und Jahre zu achten!"
Hat das Paulus vor 2000 Jahren zu den Galatern gesagt, oder sagt er uns das heute?

Bento hat gesagt…

Hallo Claudia,
es freut mich richtig zu sehen, wie der Heilige Geist in dir wirksam ist! Das Bedürfnis nach dem Mahl des Herrn ist uva. ein deutliches Zeiche dafür, denn das ist das "Liebesmahl" der Gemeinschaft und die ersten christen trafen sich täglich in den Häusern und hielten dieses Mahl - es war dort ganz sicher nicht diese ritualisierte Zeremonie, wie wir sie heute aus den Kirchen kennen, sondern die freudige Gemeinschaft mit dem Geschwistern im Herrn.

Gut dass du noch auf Gal.4,10 hinweist - Paulus sagt ausdrückl., dass er um die Galater fürchtet, wenn sie wieder in diese heidnischen Gewohnheiten zurückfallen, denn dann hätte er vergeblich(!) gearbeitet... das ist ganz sicher eine deutliche Mahnung auch für uns heute!

LG + Segen

Hans Dressler hat gesagt…

Hallo Bento,

hier vielleicht noch als Ergänzung zu diesem Thema eine kleine PP-Präsentation und ein Viedeo, die ich zu diesem Thema gemacht habe:

http://www.hans-dressler.de/7/die_antichristlichen_feste_um_die_sonne.pps

http://www.hans-dressler.de/7/die_antichristlichen_feste_um_die_sonne.wmv

Außerdem habe ich heute eine Predigt von Paul Washer (Baptist) gesehen, die ich euch nicht vorenthalten möchte,
komplett ins Deutsche übersetzt mit Untertiteln. Ist zwar auf Amis zugeschnitten, aber hat genug auch für uns deutsche Christen drin und ich glaub kaum, dass man solche Predigten in Deutschland oft hört.
:

http://lannopez.dreipage2.de/link_47415809.html

Wünsche euch allen Gottes kräftigsten Segen.

Hans