Freitag, 14. November 2008

Das Jesus-Boot

Ein Schwimmer springt in´s Wasser und möchte das andere Ufer erreichen. Nach einiger Zeit merkt er plötzlich, dass seine Kräfte dafür nicht ausreichen und er sucht sich erreichbare Ziele, die sich aber jedes Mal als Illusion oder nicht wirklich erfüllend herausstellen. Nun mitten auf dem Wasser wird ihm die existenzielle Bedeutung der Zielfrage klar und er bekommt gleichzeitig die Einsicht, dass er das ersehnte Ufer niemals aus eigener Kraft erreichen kann.



Jetzt nimmt er das aus unkaputtbarem Kreuzholz gefertigte Jesus-Boot wahr, das die ganze Zeit an seiner Seite war, und er ergreift die Hand des Kapitäns und steigt hinein - puhh gerettet! Immernoch unterwegs - allerdings mit der Gewissheit, das ersehnte Ufer in diesem Boot auch zu erreichen. Die Sache ist klar - von nun an kann es eigentlich nur noch darum gehen, möglichst viele der Schwimmer in´s Boot zu rufen, die eifrig ihren Zielen hinterher schwimmen. Manche sind noch voller Kraft und Zuversicht und steuern Inseln an mit Namen wie Spass haben, Selbstverwirklichung, Freiheit, Wohlstand, Macht, Reichtum, Anerkennung usw. - andere sind schon völlig ausser Puste und halten sich verzweifelt an umhertreibenden Holzbalken fest, die von den vielversprechenden Fährschiffen übriggeblieben sind, die an den Klippen und in Stürmen zerbortsen oder gesunken sind. Wieder andere sieht man in lächerlichen Eigenkonstruktionen rumdüsen...




Die Geretteten im Jesus-Boot versuchen dennoch oft vergeblich, diese Leute einzuladen - den einen erscheinen ihre eigenen Ziele erstrebenswerter, den anderen ist alle Hoffnung geschwunden und sie mißtrauen jedem Schiff, dass Rettung verspricht.
Es gibt allerdings keine Möglichkeit, jmd. einfach in´s Boot zu zerren, sondern man kann nur gut zureden, auf die Einzigartigkeit des Bootes- und auf die ausstreckte Hand des Kapitäns hinweisen, ergreifen muss sie jeder selber. Die Fahrt geht an den Inseln des Eigensinns, der Macht, des Reichtums, der guten Jobs mit viel Anerkennung, den Partyinseln voller johlender Leute, oder den gediegenen, paradiesähnlich aussehenden Wohlstandsinseln vorbei. Die Geretteten schauen manchmal sehnsüchtig herüber, sie bitten den geduldigen Kapitän um Landurlaub und möchten gerne mal dort anlegen um die Leute in´s Boot einzuladen, aber irgendwie auch um am Leben auf den Inseln teilzunehmen. Doch immer, wenn sie so auf Landurlaub sind, wird ihnen klar, dass der Kapitän im Boot geduldig wartet, das Ziel ganz woanders liegt und es wichtigeres zu tun gibt.




 

So bitten die Geretteten dann immer seltener um Kursänderungen und verzichten auch auf Landurlaub, weil die Schwimmer auf dem Meer und die Gestrandeten ihnen am Herzen liegen, und weil sie wissen, dass nur dieses wunderschöne Jesus-Boot sie an das ersehnte Ufer bringt. Die Stimmung an Bord ist eh nicht zu toppen und es ist allen Verzicht und allen Einsatz wert, die Gestrandeten und in Lebensgefahr Umhertreibenden einzusammeln und mitzunehmen auf die Reise in dem erhabendsten aller Boote an das rettende Ufer der Herrlichkeit.

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Kommentare:

Benedict hat gesagt…

Sehr schöne Geschichte...!
Und so wahr!

Apassionata hat gesagt…

Eine sehr, sehr schöne Geschichte hast Du da rein gepostet lieber Bento. Ich könnt mich fast fragen, bin ich nicht fromm genug. Mich beschäftigen noch andere Ufer wie Hunde, Pferde und andere Tiere. Oder heißt es nur:"Beten und arbeiten?" Der Herr selber ist doch auch Schöpfer der anderen Ufer. Allerdings, wenn man Jesus nicht überall mitnehmen oder besser, wenn er so gar nicht mit will, würde ich wohl auch lieber auf die anderen Strände verzichten. Gut finde ich den Umwegsgedanke, wo Jesus auf unser wieder zurück kommen wartet und wieder mitnimmt.

storch hat gesagt…

die lächerliche eigenkonstruktion ist aber schon das coolste boot von den abgebildeten!

Bento hat gesagt…

danke Bene

und Apassioa auch danke -
sag mal kann ich eigentlich nix posten, ohne dass du ein schlechtes Gewissen bekommst?.. ;-))
Hund und andere Tiere sind ja Teil der Schöpfung, um die wir uns auch kümmern sollen und die zu unserer Freude geschaffen wurden...

ja Storch, das ist eben das Problem, dass die Dinger so cool aussehen aber doch nicht bis an´s Ziel bringen.

Apassionata hat gesagt…

Dennoch, ob mit oder ohne schlechtem Gewissen, Deine Posts gefallen mir immer, und ich kriege trotzdem was zum lachen!!! Fand das umgedrehte Boot einfach Klasse.