Dienstag, 29. Juli 2014

Wer ist Jesus?

Auf diese wichtige Frage gibt es seit jeher die unterschiedlichsten Antworten.
Sie reichen vom Abstreiten seiner Existenz bis hin zu der Ansicht, er sei Gott selber. Dazwischen gibt es etliche weitere Sichtweisen, er sei z.B. ein Größenwahnsinniger, ein Betrüger, ein Revolutionär, ein großer Lehrer der Menscheheit oder ein Prophet uswusw.

Hier sind einige Antworten auf diese Frage aus verschiedenen Blickwinkeln:

Judentum

Das Judentum sieht Jesus von Nazaret nicht als Sohn Gottes an, da ein Mensch nach jüdischer Auffassung nicht göttlich sein kann. Es sieht in ihm auch nicht den Messias, da er nicht die endgültige Verwandlung der Welt gebracht habe, die die Juden nach biblischer Prophetie vom Messias erwarten.

Von einigen jüdischen Religionswissenschaftern wird Jesus als genuin jüdischer Lehrer der Tora gesehen, der den Völkern den Glauben an JHWH, den Gott Israels, vermittelt habe.

 Jesu Herkunft erklärt der Talmud mit einem Fehltritt Marias: Sie habe sich mit einem römischen Legionär eingelassen und das dabei entstandene Kind dem „Heiligen Geist“ zugeschrieben. Für die talmudischen Rabbiner war sie eine „Hure“. Jesus sei durch seinen römischen Vater „nicht nur ein Bastard, sondern der Sohn eines Nichtjuden

Die im NT verkündete Abstammung von König David könne er daher nicht beanspruchen. Diese Idee war mitsamt dem Messias- und Sohn-Gottes-Anspruch Jesu bzw. des NT für die Talmudautoren reiner Betrug. Zudem stellten sie Jesus als promisk dar, der mit einer Prostituierten verkehrt habe und seiner Mutter nachgeraten sei. Dies beweise, dass er kein Prophet gewesen sei


Islam

Im Koran gilt arabisch عيسى بن مريم ʿĪsā ibn Maryam „Jesus, Sohn der Maria“ als der Messias (al-masīh), als Wort (kalima) und Geist (rūh) Gottes (Allāh). Durch die Stärkung mit dem „Heiligen Geist“ (rūh al-qudus, eine koranische Bezeichnung für den Erzengel Gabriel) konnte er mit Gottes Erlaubnis Wunder vollbringen. Er gilt nicht als ein Teil einer Trinität (die der Islam als Bruch des reinen Monotheismus ablehnt) oder als Sohn Gottes, wie dies in fast allen christlichen Traditionen der Fall ist, sondern als Gottes Gesandter (rasūl) und Prophet (nabīy).

Die Kreuzigung Christi wird in Sure 4, Vers 157 und entsprechend in der islamischen Koranexegese verneint.


Bahai Religion

In der Bahai-Religion gilt Jesus als „Manifestation Gottes“, als ein göttlicher Offenbarer. Im Schrifttum der Bahai wird er unter anderem auch als „der Geist“ oder „der Sohn“ bezeichnet.[3] Es gibt aus Sicht der Bahai eine Fortschreitende Offenbarung, das heißt es gibt nur einen Gott, der sich im Lauf der Geschichte mehrfach und fortschreitend offenbart hat und dies auch in Zukunft tun wird. Bahai glauben, dass Baha’u’llah, der Stifter der Bahai-Religion, neben der Wiederkunft anderer Religionsstifter auch die „Wiederkunft Christi in der Herrlichkeit des Vaters“ ist


Hinduismus

Im 19. Jahrhundert setzten sich einige hinduistische Gelehrte gezielt mit der Person Jesus auseinander. Keshabchandra Sen (1838–1884) nannte Jesus einen Orientalen, der zu Indien gehöre und die Hindus aufrufe, „christusförmig“ zu leben.

Ramakrisna Paramahamsa (1836–1886) war ein Verehrer der Göttin Kali und ließ sich erst in den Islam, dann in das Christentum einführen. Bei der meditativen Betrachtung einer Ikone der Maria mit dem Jesuskind erlebte er eine Vision: Jesus Christus sei ihm als Lichtgestalt aus dem Bild heraus erschienen und habe gegen seinen Widerstand von seinem Herzen Besitz ergriffen, so dass er den Kali-Tempel drei Tage lang nicht habe betreten können. Am dritten Tag sei die Lichtgestalt ihm direkt begegnet und habe sich ihm als innere Stimme offenbart:

    „Dies ist Christus, der das Blut seines Herzens für die Erlösung der Welt vergossen hat, der ein Meer des Leidens durchschritten hat aus Liebe zu den Menschen. Es ist Er, der Meister-Yogi, ewig eins mit dem Vater.“

Daraufhin habe die Gestalt ihn umarmt und sei mit seiner Seele verschmolzen. Seitdem habe er nicht mehr an Jesu Göttlichkeit gezweifelt und ihn als Avatar neben anderen Inkarnationen des Göttlichen verehrt.


Historische Jesusforschung

Die historische Kritik richtete sich anfangs vor allem gegen kirchliche Dogmen, die aus der Bibel hergeleitet wurden, später gegen übernatürliche Mythologie und bestritt zum Teil sogar Jesu Existenz. Radikale Skepsis sieht ihn als unhistorisches Konstrukt, das die frühen Christen aus zirkulierenden Motiven, Legenden und Mysterienkulten zusammengestellt haben sollen.


Philosophie seit der Aufklärung

Das Zeitalter der Aufklärung stand ganz im Zeichen der Emanzipation von Kirche, Aberglauben, Mythologie und Heteronomie. Daraus entstand die neuzeitliche Religionskritik, die das Christentum und darüber hinaus alle Religion von verschiedenen Ansätzen aus als

    Metaphysik (Immanuel Kant),
    Projektion (Ludwig Feuerbach),
    Ideologie der Klassengesellschaft (Karl Marx) oder
    Zwangsneurose (Sigmund Freud) kritisiert.

Dies hat vielfältig auf die Sicht Jesu im aufgeklärten Bürgertum Europas eingewirkt.

Gleichwohl hat sich die aufgeklärte Philosophie die Gestalt Jesu, aber auch sonstige biblische und theologische Ideen auf ihre Weise angeeignet und sie in humanistische, moralisch-ethische oder revolutionäre Handlungsmaximen übersetzt. Die „Goldene Regel“ der Bergpredigt und anderer Religionen stellte unverkennbar den Traditionshintergrund für Kants Kategorischen Imperativ dar. Der „absolute Weltgeist“ Hegels ist ein Versuch, das Wirken des transzendenten Heiligen Geistes in die Arbeit des dialektischen Begreifens zu übersetzen und im vernünftigen Fortschritt der Weltgeschichte wiederzufinden.


Literatur

Auch in der profanen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts findet man eine große Zahl verschiedener Jesusbilder. Er wurde u.a. als humanes Vorbild, Menschen- und Kinderfreund, philosophischer Weiser, strenger Moralist oder politischer Widerstandskämpfer dargestellt.


Christentum

(Heilige) Dreifaltigkeit, Dreieinigkeit oder Trinität (lat. trinitas; altgr. τριάς trias ‚Dreizahl‘, ‚Dreiheit‘) bezeichnet in der christlichen Theologie die Wesens-Einheit von Gott Vater, Sohn (Jesus Christus) und Heiligem Geist. Sie werden als drei aus Gott entsprungene Personen oder Hypostasen der Trinität, nicht aber als drei Substanzen oder drei Götter aufgefasst. Motive aus biblischer Überlieferung, früher Gebets- und Redeweise und theologischer Begriffsbildung führen zum kirchlichen Trinitätsdogma. Ab dem 4. Jahrhundert wurde eine formelle Trinitätslehre ausgebildet. Der Mensch Jesus von Nazareth, von dem schon im Neuen Testament Göttliches ausgesagt wird, wird wie der Heilige Geist als „wesenseins“ mit Gott, dem Vater, verstanden und verehrt. Die Glaubensbekenntnisse der Mehrzahl der christlichen Glaubensgemeinschaften beinhalten die Dreieinigkeit.

(Quelle Wikipedia)


Es gibt also ungezählte Meinungen und Sichtweisen auf Jesus von Nazareth.

Doch wer war er wirklich? 

Auch aus den Schriften der Bibel werden unterschiedliche theologische Aussagen abgeleitet, doch welche ist die richtige, die tatsächlich tragfähig ist? 
Was ist die Wahrheit?

Da kam Jesus in die Gegend der Stadt Cäsarea Philippi und fragte seine Jünger und sprach: Wer sagen die Leute, daß des Menschen Sohn sei? Sie sprachen: Etliche sagen, du seist Johannes der Täufer; die andern, du seist Elia; etliche du seist Jeremia oder der Propheten einer. Er sprach zu ihnen: Wer sagt denn ihr, daß ich sei? Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn! Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jona's Sohn; denn Fleisch und Blut hat dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel.
Mat 16:13-17


Das ist sie also, die von Gott selber durch seinen Geist geoffenbarte Wahrheit über Jesus:

Du bist der Christus (der Messias), 
der Sohn des lebendigen Gottes!

Simon bekommt aufgrund dieser Offenbarung von Jesus den Beinamen Petrus (Felsen), denn

Auf DIESEM Bekenntnis baut Jesus seine Gemeinde!

Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeinde, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. 
 Mat 16:18

 AMEN!
 
***

Sonntag, 27. Juli 2014

Habt ihr den heiligen Geist empfangen?

Habt ihr den heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig wurdet?
Apg 19:2 

Wenn man Christen heute diese Frage stellt, werden sie es entweder im Brustton der Überzeugung bejahen, oder viele werden sich allein schon über die Frage aufregen - "du willst doch wohl nicht behaupten, dass wir den Hl.Geist NICHT haben??"

Leider wird hier oft etwas wichtiges durcheinander gebracht:

Der Glaube, dass Jesus der Christus ist, der Sohn des lebendigen Gottes, ist uns von Gott durch seinen Geist gegeben.
Niemand kann glauben ohne diese Offenbarung!

Da spricht er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich?
Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!
Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut hat dir das nicht geoffenbart, sondern mein Vater im Himmel!
Mat 16:15-17

Doch damit hört es ja nicht auf, sondern fängt das geistliche Leben erst an!

Das geistliche (ewige) Leben empfangen wir durch den Glauben in der Widergeburt aus Wasser und Geist, aber niemand kann im Geist wandeln, ohne den Geist und seine Gaben zu empfangen. Nur auf diese Weise können wir dann auch die Frucht des Geistes hervorbringen.

Wenn wir im Geiste leben, so lasset uns auch im Geiste wandeln.
Gal 5:25 

Viele sind allerdings davon überzeugt, dass jeder den Geist ganz automatisch empfängt, sobald man an Jesus glaubt und getauft ist. Das ist aber ein Irrtum, wie die folgende Schriftstelle sehr anschaulich belegt.
Die Apostel reisten extra von Jerusalem nach Samarien, damit die dort gläubig gewordenen (und bereits getauften!) Jünger den Geist empfingen:

Als sie aber dem Philippus glaubten, der das Evangelium von dem Reiche Gottes und dem Namen Jesu Christi verkündigte, wurden sie getauft, sowohl Männer als Frauen. . Als aber die Apostel, welche in Jerusalem waren, gehört hatten, daß Samaria das Wort Gottes angenommen habe, sandten sie Petrus und Johannes zu ihnen; welche, als sie hinabgekommen waren, für die beteten, damit sie den Heiligen Geist empfangen möchten; denn er war noch nicht auf einen von ihnen gefallen, sondern sie waren allein getauft auf den Namen des Herrn Jesus.
Dann legten sie ihnen die Hände auf, und sie empfingen den Heiligen Geist.
Apg 8:12-17

Ja dieser Empfang des Geistes ist sogar ein Ereignis, dass man sehen kann!

Als aber Simon sah, daß durch die Handauflegung der Apostel der heilige Geist gegeben wurde, brachte er ihnen Geld und sprach.Gebet auch mir diese Vollmacht, damit, wenn ich jemand die Hände auflege, er den heiligen Geist empfange!
Apg 8:18, 19

Was genau der grade frisch bekehrte Zauberer Simon da "sah", wird hier nicht gesagt, aber es muss wohl ziemlich spektakulär und machtvoll gewesen sein, weil er den Aposteln sofort sein Geld dafür anbot, auch das gleiche tun zu können..
Wir können davon ausgehen, dass diese Jünger nun anfingen in Sprachen zu reden und Gott hoch zu loben, wie es schon am Anfang der Ausgießung des Geistes an Pfingsten geschah und wie es uns auch an anderen Stellen überliefert ist.

Und als Paulus ihnen die Hände auflegte, kam der heilige Geist auf sie, und sie redeten in Zungen und weissagten.
Apg 19:6 

Wer nun meint, nur die Apostel konnten das bewirken, der irrt wiederum gewaltig, denn wir haben durch Ananias in Damaskus ein deutliches Beispiel, wie ein "einfacher Jünger" dem Saulus die Hände auflegt und er den Geist empfängt.

Und Ananias ging hin und kam in das Haus und legte die Hände auf ihn und sprach: Lieber Bruder Saul, der HERR hat mich gesandt, der dir erschienen ist auf dem Wege, da du her kamst, daß du wieder sehend und mit dem heiligen Geist erfüllt werdest.
Apg 9:17

 ("Mit dem Geist erfüllt werden", "der Geist fällt auf jmd." oder "im Geist getauft werden" sind übrigens lediglich andere Beschreibungen für das gleiche Geschehen.)

Paulus wurde also wieder sehend (d.h. er bekam nicht nur sein Augenlicht wieder, sondern er erkannte auch die Gottessohnschaft Jesu), er lies sich sofort taufen und wurde mit dem Geist erfüllt, denn er predigte von diesem Tage an das Evangelium, obwohl er es von niemandem gelernt hatte.

Es ist also durchaus kein "Automatismus" oder geschieht irgendwann mal "wenn der Herr es denn so will", sondern wir sind als Gläubige gehalten darum zu bitten, den Geist durch Handauflegung weiterzugeben und zu empfangen und auch ganz grundsätzlich nach dem Empfang des Geistes und seiner Gaben zu streben.

So nun ihr, die ihr arg seid, euren Kindern gute Gaben zu geben versteht, wieviel mehr wird der Vater im Himmel den heiligen Geist denen geben, die ihn bitten!
Luk 11:13 

Also auch ihr, da ihr um geistliche Gaben eifert, so suchet, daß ihr überströmend seid zur Erbauung der Versammlung.
1.Kor.14:12




Trauriger Weise ist diese grundlegende Wahrheit im heutigen kirchlichen Leben vielfach abhanden gekommen.. Es wird zwar gelegentlich "segnend" die Hände aufgelegt, doch diese Lehre und die Tatsache, dass man den Heiligen Geist "empfangen" muss, dass es ein absolut einschneidendes Ereignis ist und dass das (von möglichen Ausnahmen einmal abgesehen) keineswegs automatisch geschieht, ist weitgehend unbekannt. 
Viele haben sogar noch nie etwas davon gehört oder haben ehrlich darüber nachgedacht.

Diese Frage ist also durchaus berechtigt:


Habt ihr den heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig wurdet?
Apg 19:2


***



Auf diesem Blog finden sich noch ausführlichere Beiträge zu diesem wichtigen Thema, z.B. die jeweils dreiteiligen Serien
und

Sonntag, 20. Juli 2014

Der Konflikt ist nicht neu (Nachtrag zum vorigen Post)

Der Konflikt um die Einhaltung des Gesetzes ist ja nicht neu -
 er wurde allerdings schon längst und völlig eindeutig geklärt:

 
Etliche aber derer von der Sekte der Pharisäer, welche glaubten, traten auf und sagten: Man muß sie beschneiden und ihnen gebieten, das Gesetz Moses' zu halten.
 Die Apostel aber und die Ältesten versammelten sich, um diese Angelegenheit zu besehen. Als aber viel Wortwechsel entstanden war, stand Petrus auf und sprach zu ihnen: Brüder ihr wisset, daß Gott vor längerer Zeit mich unter euch auserwählt hat, daß die Nationen durch meinen Mund das Wort des Evangeliums hören und glauben sollten. Und Gott, der Herzenskenner, gab ihnen Zeugnis, indem er ihnen den Heiligen Geist gab, gleichwie auch uns; und er machte keinen Unterschied zwischen uns und ihnen, indem er durch den Glauben ihre Herzen reinigte. Nun denn, was versuchet ihr Gott, ein Joch auf den Hals der Jünger zu legen, das weder unsere Väter noch wir zu tragen vermochten? Sondern wir glauben durch die Gnade des Herrn Jesus in derselben Weise errettet zu werden wie auch jene.
 

 ...
Weil wir gehört haben, daß etliche, die aus unserer Mitte ausgegangen sind, euch mit Worten beunruhigt haben, indem sie eure Seelen verstören und sagen, ihr müßtet beschnitten werden und das Gesetz halten -denen wir keine Befehle gegeben haben- deuchte es uns, einstimmig geworden, gut, Männer auszuerwählen und sie mit unseren Geliebten, Barnabas und Paulus, zu euch zu senden, mit Männern, die ihr Leben hingegeben haben für den Namen unseres Herrn Jesus Christus. Wir haben nun Judas und Silas gesandt, die auch selbst mündlich dasselbe verkündigen werden. Denn es hat dem Heiligen Geiste und uns gut geschienen, keine größere Last auf euch zu legen, als diese notwendigen Stücke: euch zu enthalten von Götzenopfern und von Blut und von Ersticktem und von Hurerei. Wenn ihr euch davor bewahret, so werdet ihr wohl tun. Lebet wohl!
 Apg 15:5-11/24-29


***

Konfliktpotenzial Alter und Neuer Bund

Eines der größten Konfliktpotenziale unter Christen betrifft die Bedeutung des Alten und des Neuen Bundes und damit hauptsächlich die Frage, ob die Einhaltung der an das Volk Israel ergangenen Gesetze für uns heute noch verbindlich ist.

Wer das bejaht, sieht in jedem, der es verneint zwangsläufig einen vom wahren Glauben Abgefallenen, den man zwar heute nicht gleich steinigt (wie es das Gesetz ja nunmal fordert), aber den man dennoch auf dem Weg des Todes wähnt und fälschlicher Weise zu den "Gesetzlosen" zählt.

Andererseits sehen diejenigen, die den wichtigen Unterschied zwischen dem Gesetz Mose und dem Gesetz Christi erkennen, einen Mangel an geistlichem Leben bei den "Gesetzestreuen".

Paulus findet deutliche Worte, indem er die "unter Gesetz" mit denen "ohne Gesetz" vergleicht und dabei klarstellt, dass er ZU KEINEN VON BEIDEN gehört:

Den Juden bin ich wie ein Jude geworden, auf daß ich die Juden gewinne; denen, die unter dem Gesetz sind, bin ich geworden, als wäre ich unter dem Gesetz obschon ich nicht unter dem Gesetz bin, damit ich die unter dem Gesetz gewinne; denen, die ohne Gesetz sind, bin ich geworden, als wäre ich ohne Gesetz,wiewohl ich nicht ohne göttliches Gesetz lebe, sondern in dem Gesetz Christi, damit ich die gewinne, welche ohne Gesetz sind.
1.Kor.9:20,21

Es gibt also zwei Sichtweisen auf den Alten und den Neuen Bund und seine jeweiligen Schriften:

1. Die Einen sagen, man könne das Neue Testament nicht ohne das Alte verstehen.
2. Die Anderen sagen, man kann das Alte Testament nicht ohne das Neue verstehen.

Ich vertrete seit jeher die zweite Position.

Wenn wir die Schriften des ersten Bundes nicht geistlich deuten, sondern ihre Aussagen weiterhin wörtlich als für Christen verbindlich ansehen, halten wir an den "Vorausschatten" fest, obwohl wir in Christus längst die Erfüllung und das Wesen dieser Dinge haben

So soll euch nun niemand richten wegen Speise oder Trank, oder wegen eines Festes oder Neumonds oder Sabbats, welche Dinge doch nur ein Schatten derer sind, die kommen sollten, wovon aber Christus das Wesen hat.
Kol 2:16,17

Auf diese Weise bleibt eine Decke auf der gesamten Schrift, so dass man sie nicht richtig verstehen, noch die Wahrheit der Größe Christi und seiner Heilstat erkennen kann.

Aber ihr Sinn ist verstockt worden, denn bis auf den heutigen Tag bleibt beim Lesen des alten Bundes dieselbe Decke unaufgedeckt, die in Christo weggetan wird. Aber bis auf den heutigen Tag, wenn Moses gelesen wird, liegt die Decke auf ihrem Herzen.
Wenn es aber zum Herrn umkehren wird, so wird die Decke weggenommen.
2.Kor.3:14-16 

Nur wenn das Herz sich völlig zu Christus bekehrt, wird die Decke von den Schriften des Alten Bundes weggenommen.
Das heißt nun aber nichts anderes, als dass wir diese Dinge geistlich deuten müssen, denn wörtlich verstehen kann sie auch jeder, der nicht "in Christus" ist!

Das griechische Wort "katargeō" aus Vers 14 ist ein sehr kräftiger Ausdruck, er bedeutet u.a.:
"völlig nutzlos, abschaffen, aufhören, zerstören, wegtun, ohne Wirkung, scheitern, vergehen, nichtig, zu nichts führen" usw.usw.

All das bezieht sich auf das Lesen des Alten Bundes, wenn man das dort Geschriebene nicht im Licht des Neuen Bundes liest (d.h. geistlich deutet!).

Schlachter übersetzt es daher folgendermaßen:

  Aber ihre Sinne wurden verhärtet; denn bis zum heutigen Tage bleibt dieselbe Decke beim Lesen des Alten Testamentes, so daß sie nicht entdecken, daß es in Christus aufhört. 
 2.Kor.3:14


***

 Da sich dieser Konflikt meistens am Sabbathgebot festmacht, empfehle ich zur Vertiefung der Thematik den Beitrag
Der Sabbath im Alten und im Neuen Bund,
in dem ich der Frage nachgehe, warum jeder sterben musste, der den Sabbath nicht einhielt.
Ausführlicher behandelt wird das Thema dann auch in der 3-teiligen Serie

Montag, 7. Juli 2014

Der "dritte Tempel"

Es ist immer wieder Gegenstand von Spekulationen, ob die Juden einen dritten Tempel errichten werden und was das für Jerusalem und den Nahem Osten bedeuten wird.
Auch nicht wenige Israelfans unter den Christen sehen darin ein besonderes Zeichen und eine Verheißung, und verbinden damit die Erfüllung wichtiger biblischer Prophezeihungen. 

Diese Leute lassen allerdings etwas sehr Grundlegendes außer acht:

Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Brechet diesen Tempel ab, und in drei Tagen will ich ihn aufrichten! Da sprachen die Juden: In sechsundvierzig Jahren ist dieser Tempel erbaut worden, und du willst ihn in drei Tagen aufrichten?
Er aber redete von dem Tempel seines Leibes. 
 Joh 2:19-21

Was für eine Verblendung herrscht in Bezug auf den "3.Tempel"!

Er wird seit 2000 Jahren aus lebendigen Steinen gebaut und das begann 3 Tage nach Jesu Tod. Durch seine Auferstehung wurde er selber zum Eckstein dieses geistlichen Tempels!

So seid ihr nun nicht mehr Fremdlinge und Gäste, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, auferbaut auf die Grundlage der Apostel und Propheten, während Jesus Christus selber der Eckstein ist, in welchem der ganze Bau, zusammengefügt, wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn, in welchem auch ihr miterbaut werdet zu einer Wohnung Gottes im Geist.
 Eph 2:19-22

Da ihr zu ihm gekommen seid, als zu dem lebendigen Stein, der von den Menschen zwar verworfen, bei Gott aber auserwählt und köstlich ist, so lasset auch ihr euch nun aufbauen als lebendige Steine zu einem geistlichen Hause, zum heiligen Priestertum, um geistliche Opfer zu opfern, die Gott angenehm sind durch Jesus Christus. 
1.Pet.2:4,5
usw.usw..

 Mag ja sein, dass Juden nochmal einen Tempel bauen werden, aber ist das dann der Tempel Gottes??
 
DAS ist die entscheidende Frage - der Antichrist setzt sich näml. in den Tempel Gottes! 


Laßt euch von niemand auf irgend eine Weise verführen, denn dieser Tag kommt nicht, es sei denn, daß zuerst der Abfall komme und geoffenbart worden sei der Mensch der Sünde, der Sohn des Verderbens,welcher widersteht und sich selbst erhöht über alles, was Gott heißt oder ein Gegenstand der Verehrung ist, so daß er sich in den Tempel Gottes setzt und sich selbst darstellt, daß er Gott sei.
2.Tess.2:3+4.

Diesen Antichristen erklärte Johannes schon in seinen Briefen als bereits gekommen:

Kindlein, es ist die letzte Stunde, und wie ihr gehört habt, daß der Antichrist kommt, so sind auch jetzt viele Antichristen geworden; daher wissen wir, daß es die letzte Stunde ist.
 1.Joh2:18 

 Es ist der antichristliche Geist der "letzten Tage" (biblisch seit Pfingsten - siehe Apg.2:17!) der seit Anbeginn  wirksam ist und der sich u.a. auch als "Engel des Lichts" (= Gott / göttlich) ausgibt, um die Menschen zu verführen...

Es gibt unzählige Aussagen in der Schrift, dass die Gemeinde der wahre Tempel Gottes ist.
Jedem der denkt es gehe in den entsprechenden biblischen Aussagen um einen Tempel aus Stein, gilt also die folgende Frage von Paulus:

Wisst ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wenn jemand den Tempel Gottes verderbt, den wird Gott verderben; denn der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr.
 1.Kor.3:16,17 


Wisst ihr nicht? 

Der Tempel Gottes seid ihr!



*** 




Einige andere Mißverständnisse gehen mit der falschen Deutung dieses Themas einher, 
so zum Beispiel die Frage
Wird ganz Israel gerettet?
oder auch die Frage
Gibt es eine plötzliche Entrückung
der Gemeinde? u.v.a.

Sonntag, 29. Juni 2014

Jesus ist anders!

Was erwartet man von einem Christen?

Güte, Liebe, Barmherzigkeit, Geduld, Sanftmut, Mitgefühl usw.usw..
also dass er Jesus nachfolgt und ihm immer ähnlicher wird!

Wie verhalten wir uns also als "gute Christen", wenn wir von einem schlimmen Verbrechen oder einer Katastrophe hören, bei der etliche Menschen umkamen?
Na wir werden völlig entsetzt oder empört reagieren, über all die Verstorbenen klagen und sie betrauern und ihren Angehörigen unser tiefes Mitgefühl aussprechen.

Das ist doch völlig normal und es gibt da ja auch einen Bibelvers "trauert mit den Trauernden" oder so ähnlich...

Doch was würden wir sagen, wenn jemand eine solche Gelegenheit dazu nutzt, um 


die Dringlichkeit des Evangeliums 

in den Mittelpunkt zu stellen und die Lebenden zu warnen und daran zu erinnern, dass sie alle Sünder sind und sie zur Umkehr aufzurufen?

Wir würden ihn wohl für völlig taktlos und für einen durchgeknallten religiösen Spinner halten, der es mit seinem missionarischen Eifer deutlich übertreibt!

Spätestens wenn er dann noch einen Vergleich zieht mit einem Baum, der keine Früchte trägt und deshalb umgehauen wird, weil er nur Platz im Garten verschwendet, würden wir das als eine Zumutung und als absolut unpassend ansehen und uns entsetzt und peinlich berührt von diesem Menschen distanzieren.

Mit so jemandem wollen wir als gute Christenmenschen nichts zu tun haben!

Naja, vielleicht sollten wir diese Sichtweise besser doch nochmal überdenken?

Es kamen aber zur selben Zeit etliche herbei, die ihm (Jesus) von den Galiläern berichteten, deren Blut Pilatus mit ihren Opfern vermischt hatte. Und er antwortete und sprach zu ihnen: Meinet ihr, daß diese Galiläer mehr als alle andern Galiläer Sünder gewesen seien, weil sie solches erlitten haben? Nein, sage ich euch; sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auch so umkommen.
Oder jene achtzehn, auf welche der Turm in Siloa fiel und sie erschlug, meinet ihr, daß sie schuldiger gewesen seien als alle andern Leute, die zu Jerusalem wohnen? Nein, sage ich euch; sondern wenn ihr nicht Buße tut, so werdet ihr alle auch so umkommen!
Er sagte aber dieses Gleichnis: Es hatte jemand einen Feigenbaum, der war in seinem Weinberg gepflanzt; und er kam und suchte Frucht darauf und fand keine. Da sprach er zu dem Weingärtner: Siehe, ich komme nun schon drei Jahre und suche Frucht an diesem Feigenbaum und finde keine. Haue ihn ab! Was hindert er das Land? 
Luk.13:1-7


....

Einen gesegneten Sonntag liebe Christenheit und immer daran denken:

Jesus ist anders!


***


Dass sowas kein Einzelfall ist, kann man in diesem Beitrag nachlesen:
Darf man so reden?
oder auch in dem Zweiteiler 
Wahrheit ohne Liebe?

Freitag, 27. Juni 2014

Dämonen austreiben durch Beten und Fasten?

Manchmal muss man schon genauer hinsehen, um einen Bibeltext nicht gänzlich falsch zu deuten.

Jesus hat seinen Jüngern Vollmacht über die unreinen Geister (Dämonen) gegeben. Wer die geistliche Realität und besonders die Machtverhältnisse seit Golgatha kennt, kann ohne jeden Zweifel im Namen Jesu ( = in seinem Auftrg) die unreinen Geister austreiben. 

Jesus nennt es als erstes Zeichen der Glaubenden, noch vor der Sprachenrede und dem Dienst an den Kranken.

Diese Zeichen aber werden denen folgen, welche glauben: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden..
 Mk.16:17

Ganz offensichtlich gelingt das nicht immer - die wichtige Frage ist dann:
Was ist der Grund?


Wir haben ein solches Beispiel in der Bibel. Ein Vater bringt seinen Sohn, der von so einem üblen Geist geplagt wird, aber den Jüngern gelingt es nicht, ihn auszutreiben und den Jungen zu befreien,
Und genau diese Frage stellen die Jünger dann an Jesus - Warum?

Und ich brachte ihn zu deinen Jüngern, und sie konnten ihn nicht heilen.
Jesus aber antwortete und sprach: O ungläubiges und verkehrtes Geschlecht! Bis wann soll ich bei euch sein? Bis wann soll ich euch ertragen? Bringet mir ihn her. Und Jesus bedrohte ihn, und der Dämon fuhr von ihm aus; und von jener Stunde an war der Knabe geheilt.
Da traten die Jünger zu Jesu besonders und sprachen: Warum haben wir ihn nicht austreiben können? 
Er aber spricht zu ihnen: Wegen eures Unglaubens; denn wahrlich, ich sage euch, wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so werdet ihr zu diesem Berge sagen: Werde versetzt von hier dorthin! -und er wird versetzt werden; und nichts wird euch unmöglich sein.
Diese Art aber fährt nicht aus, als nur durch Gebet und Fasten.

Mat 17:16-21
 
Interessant.
Es gibt also verschiedene Arten von Dämonen und diese spezielle Art fährt nur durch Gebet und Fasten aus.


Ähm - Moment mal - Jesus hat ja gar nicht gebetet und gefastet, und doch fuhr der Dämon aus?!...

Es gibt auch sonst keine einzige Aussage, wo Jesus oder die Apostel über "unterschiedliche Arten von Dämonen" lehren oder wo er oder die Jünger einen solchen unreinen Geist durch Gebet und Fasten vertreiben - es geschieht IMMER durch das vollmächtige Wort!
Hmm - was hat das nun zu bedeuten?

Der Punkt ist:
Jesus spricht hier ja schon gar nicht mehr von dem unreinen Geist, sondern vom Glauben!


Er schlägt die Hände über dem Kopf zusammen über "das ungläubige Geschlecht", das mehr im Zweifel, als im Glauben handelt (Vers 17)


Es macht unmißverständlich klar, dass die Jünger WEGEN IHRES UNGLAUBENS keine Autorität über den Dämon hatten!
(Vers 20)

  "DIESE ART" des Unglaubens haben schließlich auch etliche, die eigentlich an Jesus glauben, an seine Macht und sein Wort. Und von "dieser Art"
(= Zweifel) wird man nunmal nur durch Gebet und Fasten befreit.
DAS ist die Aussage von Vers 21!

  Und ich richtete mein Angesicht zu Gott, dem Herrn, um ihn mit Gebet und Flehen zu suchen, in Fasten und Sacktuch und Asche.
 Dan 9:3

 
***


Wer das Thema vertiefen möchte findet hier meine dreiteilige Serie:

Samstag, 7. Juni 2014

"Alles Fleisch"

"Und es wird geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, daß ich von meinem Geiste ausgießen werde auf alles Fleisch..."
Apg 2:17 

Fiel der Heilige Geist an Pfingsten in Jerusalem denn tatsächlich auf "alle" Menschen?
Nein, offensichtlich nicht - auf die Spötter und diejenigen, die sich abwandten, fiel er z.B. ganz sicher nicht.

Es hat sich aber die Sichtweise etabliert, dass der Geist an Pfingsten auf alle Gläubigen fiel - aber auch das ist so nicht richtig.
Wenn man das Geschehen genau betrachtet, kann man erkennen, dass der Geist zunächst nur auf die zwölf Apostel fiel. Wenn man Kapitel 1 und 2 der Apostelgeschichte OHNE die Unterbrechung der Kapiteleinteilung liest, kann man sehen, dass hier immer nur von den zwölf Aposteln die Rede ist.

Und als er mit ihnen versammelt war, befahl er ihnen, sich nicht von Jerusalem zu entfernen, sondern auf die Verheißung des Vaters zu warten-die ihr von mir gehört habt; denn Johannes taufte zwar mit Wasser, ihr aber werdet mit Heiligem Geiste getauft werden nach nunmehr nicht vielen Tagen.
Apg 1:4,5 

Hier ist Jesus mit seinen Aposteln versammelt (es waren jetzt 11 ohne Judas) und er gibt IHNEN die Verheißung des Geistes zum Zeugendienst.

  Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist; und ihr werdet meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde.
Apg 1:8

Nach diesem Ereignis und der Himmelfahrt des Herrn tun die Apostel nun genau das, was er ihnen gesagt hatte und sie kehren wieder nach Jerusalem zurück. Es werden hier dann sogar nochmal explizit die Namen dieser elf Apostel genannt:

Da kehrten SIE nach Jerusalem zurück von dem Berge, welcher Ölberg heißt, der nahe bei Jerusalem ist, einen Sabbathweg entfernt. Und als SIE hineingekommen waren, stiegen SIE auf den Obersaal, wo SIE blieben: sowohl Petrus, als Johannes und Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, Alphäus' Sohn, und Simon, der Eiferer, und Judas, Jakobus' Bruder.
Apg 1:12,13 

In der Folge lesen wir, dass man dann einen zwöften Apostel wählte, der den Platz von Judas einnehmen sollte. Er wurde aus den 120 anwesenden Gläubigen ausgewählt. Die Entscheidung fiel auf Matthias und er wurde zu den ELF APOSTELN hinzugetan. Liest man jetzt diesen letzten Vers aus dem ersten Kapitel  und den ersten Vers aus dem zweiten Kapitel im Zusammenhang, dann wird sehr deutlich, WER an Pfingsten beisammen war. diese beiden Aussagen sind sogar durch ein "und" miteinander verbunden:

Sie gaben Lose über sie; und das Los fiel auf Matthias, und er wurde den elf Aposteln zugezählt. 
Und als der Tag der Pfingsten erfüllt wurde, waren sie alle an einem Orte beisammen. 
Apg 1:26 / 2:1

Zugegeben, es ist hier auf den ersten Blick nicht 100% feststellbar, wer hier mit "alle" gemeint ist - die 120, die bei der Wahl dabei waren oder die nun wieder vollzähligen zwölf Apostel - aber wie wir gesehen haben, gab Jesus nur den Aposteln diese Verheißung und im Verlauf wird nochmal sehr deutlich, dass nur die Zwölf an Pfingsten diese besondere Rolle des Zeugendienstes durch die Kraft des Geistes ausüben.

Das geschieht zunächst dadurch, dass sie beginnen in Sprachen zu reden und alle sich verwundern und zusammenlaufen. Hier wird und ausdrücklich berichtet, dass diese alle Galiläer waren, die dort in fremden Zungen redeten. Zu den 120 Gläubigen gehörten allerdings mit Sicherheit auch andere Juden aus anderen Regionen und Städten.

Und sie wurden alle mit Heiligem Geiste erfüllt und fingen an, in anderen Sprachen zu reden, wie der Geist ihnen gab auszusprechen. 
Sie entsetzten sich aber alle und verwunderten sich und sagten: Siehe, sind nicht alle diese, die da reden, Galiläer?
Apg 2:4,7

Als nun alle mitbekommen hatten, dass da etwas außergewähnliches Geschehen war, wird nun zum ersten Mal das Evangelium gepredigt. Auch wenn uns nur die Predigt des Petrus überliefert ist, so wird hier doch ausdrücklich gesagt, dass wiederum "Petrus mit den Elf" aufstand und es verkündete:

Petrus aber stand auf mit den Elfen, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Männer von Judäa, und ihr alle, die ihr zu Jerusalem wohnet, dies sei euch kund, und nehmet zu Ohren meine Worte!

Apg 2:14  

Es waren also ausdrücklich nur diese zwölf Männer, die begannen zu predigen, und nicht alle 120 Gläubigen, die es bis zu dieser Zeit in Jerusalem wohl gab.
Denjenigen, die diese Botschaft in ihr Herzen traf und die sie im Glauben annahmen, erklärt Petrus dann WIE auch sie Anteil an der Verheißung des Heiligen Geistes bekommen können:

 Als sie aber das hörten, drang es ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu Petrus und den anderen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder? Petrus aber sprach zu ihnen: Tut Buße, und ein jeder von euch werde getauft auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden, und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.
Apg 2:37,38

Auf DIESE WEISE breitete sich das evangelium schlagartig aus, und es wurden aus den gut einhundert Gläubigen an diesem ersten Tag unter der Kraft des Geistes bereits tausende.

Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen, und es wurden an jenem Tage etwa dreitausend Seelen hinzugetan.
Apg 2:41
 

Das "alle" in der Prophetie des Joel, die Petrus zu Beginn des Geschehens zitiert, bezieht sich also nicht wahllos auf "alle Menschen", sondern hier wird die Tatsache und der Unterschied deutlich, dass ab nun alle Menschen durch den Glauben Anteil an dieser Verheißung bekommen KÖNNEN. Es sind nicht mehr nur einige wenige Gesalbte und Propheten, wie es ja zur Zeit des Alten Bundes noch war, sondern "Alles Fleisch" kann den Geist empfangen!

Das war bis dato völlig undenkbar und das ist das Neue im Neuen Bund.

Und danach wird es geschehen, daß ich meinen Geist ausgießen werde über alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, eure Greise werden Träume haben, eure Jünglinge werden Gesichte sehen. Und selbst über die Knechte und über die Mägde werde ich meinen Geist ausgießen in jenen Tagen.
 Joe 2:28,29

 PREIS DEM HERRN!
 Hast du bereits Anteil an diesem Segen?





***


Auf diesem Blog finden sich noch weitere Beiträge zum Thema Pfingsten und Heiliger Geist,
 es gibt auch zwei dreiteilige Serien über den Empfang und das Wesen und Wirken des Geistes,
oder schau unter dem Label Heiliger Geist, so findest du alle entsprechenden Beiträge.

Montag, 12. Mai 2014

Lobt Jesus Ungerechtigkeit und Korruption?

Dieses Gleichnis erscheint auf den ersten Blick recht seltsam:


Er sprach aber auch zu seinen Jüngern: Es war ein gewisser reicher Mann, der einen Verwalter hatte; und dieser wurde bei ihm angeklagt, als verschwende er seine Habe. Und er rief ihn und sprach zu ihm: Was ist dies, das ich von dir höre? Lege die Rechnung von deiner Verwaltung ab, denn du wirst nicht mehr Verwalter sein können.
Der Verwalter aber sprach bei sich selbst: Was soll ich tun? Denn mein Herr nimmt mir die Verwaltung ab. Zu graben vermag ich nicht, zu betteln schäme ich mich.
Ich weiß, was ich tun werde, auf daß sie mich, wenn ich der Verwaltung enthoben bin, in ihre Häuser aufnehmen. Und er rief jeden einzelnen der Schuldner seines Herrn herzu und sprach zu dem ersten: Wieviel bist du meinem Herrn schuldig? Der aber sprach: Hundert Bath Öl. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldbrief und setze dich flugs hin und schreibe fünfzig. Danach sprach er zu einem anderen: Du aber, wieviel bist du schuldig? Der aber sprach: Hundert Kor Weizen. Und er spricht zu ihm: Nimm deinen Schuldbrief und schreibe achtzig. Und der Herr lobte den ungerechten Verwalter, weil er klug gehandelt hatte; denn die Söhne dieser Welt sind klüger als die Söhne des Lichts gegen ihr eigenes Geschlecht.
Und ich sage euch: Machet euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, auf daß, wenn er zu Ende geht, man euch aufnehme in die ewigen Hütten. Wer im Geringsten treu ist, ist auch in vielem treu, und wer im Geringsten ungerecht ist, ist auch in vielem ungerecht.
Wenn ihr nun in dem ungerechten Mammon nicht treu gewesen seid, wer wird euch das Wahrhaftige anvertrauen? Und wenn ihr in dem Fremden nicht treu gewesen seid, wer wird euch das Eurige geben?
Kein Hausknecht kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird dem einen anhangen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

Luk 16:1-13

Es geht hier um den Umgang mit Geld "dem ungerechten Mammon".
Der Verwalter erläßt einen Teil der Schulden, um für schlechte Zeiten vorbereitet, und bei den Menschen angesehen und willkommen zu sein. Er hat hierbei zwar offensichtlich nicht korrekt gehandelt, wird aber dennoch vom Herrn dafür gelobt und als gutes Beispiel hingestellt.

Wie kann das sein??

Nun, in Vers 9 erklärt Jesus, worum es im Kern geht.
Es geht darum, dass wir das an sich "ungerechte" Mittel Geld so einsetzten, dass wir uns damit Freunde machen.
Die Kinder der Welt achten dabei nicht unbedingt auf Recht oder Unrecht, sondern lediglich auf ihren Vorteil, das soll uns keinesfalls ein "Vorbild" sein!
Aber dass der Verwalter wusste was zu tun war, weil das Geld(verdienen) irgendwann ein Ende hat, und eben auch die Klugheit seines Tuns, setzt uns Jesus zum Vorbild!

Von uns wird natürlich erwartet, dass wir auch mit Geld ( = fremdes Gut / "Geringes")  treu umgehen, damit uns das wahre Gut (geistlicher Segen = unser "Eigentum") anvertraut werden kann (V.11)
Wie sieht so ein korrekter Umgang mit Geld denn aus, und wie werden wir uns auch "ewige Freunde" dadurch machen?

Die Antwort ist in Vers 16 zu lesen.
Wir müssen Gott auch mit dem anvertrauten Gut dienen und nicht dem Mammon.

Wo genau ist der Unterschied?
Gott braucht schließlich unser Geld nicht.


Geld ist ein in sich "geschlossenes System". Wenn man es hat, kann man es vermehren, indem man es gewinnbringend anlegt. So dient man mit dem Geld wiederum dem Geld und seiner Vermehrung - man dient also dem Mammon.

Die "Vermehrung" für einen geistlich gesinnten Menschen besteht dagegen im miteinander Teilen.
Von der ersten Gemeinde  lesen wir, dass sie alles gemeinsam hatten und niemand Mangel litt. Man verkaufte sogar Besitztümer, damit alle hatten was sie brauchten.

Alle aber, welche glaubten, waren beisammen und hatten alles gemein; und sie verkauften die Güter und die Habe und verteilten sie an alle, jenachdem einer irgend Bedürfnis hatte.
Apg 2:44,45

Dies geschah nicht etwa aus kluger Überlegung wie bei dem ungerechten Verwalter im Gleichnis, sondern aus der Freude des erlösten Herzens und über das gemeinsame Heil in Christus.
Und weil es aus einer geistlichen Gesinnung heraus geschah, war auch das Resultat dieses Umgangs mit Habe und Geld auch der geistliche Segen:

Und indem sie täglich einmütig im Tempel verharrten und zu Hause das Brot brachen, nahmen sie Speise mit Frohlocken und Einfalt des Herzens, lobten Gott und hatten Gunst bei dem ganzen Volke. Der Herr aber tat täglich zu der Versammlung hinzu, die gerettet werden sollten.
Apg 2:46,47

Sehen wir diesen konkreten Zusammenhang?

Doch in unseren Versammlungen herrschen i.d.R. die gleichen Zustände wie in der Welt - die einen haben reichlich oder sogar Überfluß, die anderen haben Mangel.

Das ist nicht klug!

Wohlan nun, ihr Reichen, weinet und heulet über das Elend, das über euch kommt! 
Euer Reichtum ist verfault und eure Kleider sind zum Mottenfraß geworden; euer Gold und Silber ist verrostet, und ihr Rost wird gegen euch Zeugnis ablegen und euer Fleisch fressen wie Feuer. Ihr habt Schätze gesammelt in den letzten Tagen! 
Jak 5:1-3

Wie viel glaubwürdiger, kraftvoller und segensreicher wäre die gute Botschaft vom Heil und von der Erlösung durch Jesus in dieser Welt, wenn wir hier klug handeln würden und auch von unserem Hab und Gut "erlöst" wären!

Es ist also wahr:

Die Söhne dieser Welt sind klüger als die Söhne des Lichts gegen ihr eigenes Geschlecht.
Luk 16:8b 


***


Unter dem Stichwort "Mammon", kann man weitere Beiträge zu diesem Thema auf meinem Blog finden

Dienstag, 6. Mai 2014

Perlen vor die Säue oder Fußwaschung?

Wann werfen wir "Perlen vor die Säue" und wann sollen wir einander die Füße waschen?

Gebet nicht das Heilige den Hunden; werfet auch nicht eure Perlen vor die Schweine, damit sie dieselben nicht etwa mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen.
Mat 7:6

Wenn nun ich, der Herr und der Lehrer, eure Füße gewaschen habe, so seid auch ihr schuldig, einander die Füße zu waschen. 
Joh 13:14

Wie entscheidest du, was wann dran ist?
Ich denke der Schlüssel ist hier zu finden:

Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird; 
1.Kor.2:14

Es nützt nichts, einem weltlichen Menschen geistliche Perlen hinzuwerfen, denn wenn er die Grundlage des Evangeliums nicht kennt oder angenommen hat, kann er sie nicht wertschätzen, ja nichtmal als Perlen erkennen. Er wird das alles als Unsinn abtun und er wird sich sogar gegen dich wenden, dich für weltfremd, fanatisch oder mindestens für einen religiösen Spinner halten.

Es gilt ihm also erstmal die Grundlagen des Evangeliums nahe zu bringen.

Wer aber Jesus als Herr und Lehrer kennt und sich zu ihm bekennt, der ist es immer wert dass wir ihm die Füße waschen, auch und grade wenn er vom Weg abgeirrt ist, den Herrn verleugnet wie Petrus, oder ihn gar verrät, wie Judas.

Jesus spricht ja auch einerseits von "Hunden und Schweinen" (krass!) und andererseits spricht er ausdrücklich die Jünger an und sagt, dass wir untereinander schuldig sind diesen Dienst zu tun.
Es handelt sich hierbei aber keineswegs um ein religiöses Ritual, sondern der Schmutz und Staub, der durch den Weg durch diese Welt an unseren Füßen haftet, muss wieder abgewaschen werden.

Das ist ein wichtiger Dienst unter Geschwistern.
Er kann im Wort und in der Tat geschehen.


***