Freitag, 12. Februar 2010

Ehre bei den Menschen

Wir leben in einer Kultur, in der unser Wert oder der Wert unserer Arbeit an der Zustimmung und dem Applaus der Menschen festgemacht wird. Es wird sogar unverholen von unserem "Marktwert" gesprochen - wer Erfolg hat und beliebt ist, steigt immer weiter im Ansehen.

Natürlich ist jeder lieber beliebt als unbeliebt, das ist menschlich völlig verständlich, hat allerdings als Kehrseite zur Folge, dass wir, je höher wir steigen, umso tiefer fallen und schon beim kleinsten Versagen oder Vergehen derart in "Ungnade" fallen können, dass alle guten Eigenschaften und Taten plötzlich überhaupt keine Rolle mehr zu spielen scheinen und der Fokus nur noch auf dem Defizit oder dem Versagen liegt. Um das zu verhindern, sind wir gezwungen unsere Schwächen und Fehler zu verbergen und tun alles, damit sie nicht an´s Licht kommen.



Was im Leben so üblich ist, kann in unserer Nachfolge und der Gemeinde großen Schaden anrichten.
Zu den stärksten Widerständen gegen eine konsequente Nachfolge und das Leben im Geist, gehören genau diese Menschenfurcht und das daraus resultierende Bestreben, Menschen gefallen zu wollen. Die Schrift stellt das klar als Gegensatzpaar hin:

"Denn suche ich jetzt Menschen zufrieden zu stellen, oder Gott? Oder suche ich Menschen zu gefallen? Wenn ich noch Menschen gefiele, so wäre ich Christi Knecht nicht."
(Gal 1:10)

Die böse Folge ist dann religiöse Heuchelei, in der einmal gefangen, ein Mensch nicht mehr das tut, was in seinem Herzen ist, aus Angst davor, von Menschen verachtet und ausgeschlossen zu sein:

"Dennoch aber glaubten auch von den Obersten viele an ihn; doch wegen der Pharisäer bekannten sie ihn nicht, auf daß sie nicht aus der Synagoge ausgeschlossen würden; denn sie liebten die Ehre bei den Menschen."
(Joh. 12,41+42)

Nun ist es ja an sich gar nichts verwerfliches, wenn Menschen einander Ehre geben und jeder die Ehre bekommt, die ihm gebührt, der Haken liegt darin, diese Ehre zu lieben und zu suchen! Dann sind unsere Koordinaten völlig falsch und unsere egoistische Motivation verhindert den Segen unseres Vaters. Dieses Prinzip bezieht sich auf alle Bereiche der Nachfolge, wie z.B. unsere Gebete, Spenden, gute Taten, die Verkündigung usw. Es gibt dazu unzählige Ermahnungen in der Schrift.

Ganz wichtig ist auch, dass wenn uns Anerkennung zukommt, wir sie nicht etwa in falscher Bescheidenheit ablehnen, sondern dankend annehmen, sie aber dann auch an den Geber unserer Gaben weiter reichen.

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Eine Lobpreis-Sängerin wurde nach der Versammlung von einem Bruder überschwänglich gelobt für ihren wunderbaren Gesang. In vermeintlicher Bescheidenheit sagte sie: "Das war doch nicht ich, das war Jesus!" - daraufhin der Lobende zu ihr: "Naja, sooo gut war es auch wieder nicht."
*lol*

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Es gehört zu den ganz großen Herausforderungen, wirklich frei von der Zustimmung oder Ablehnung der Menschen zu werden, wir sollten Gott inständig darum bitten. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir nicht den Rat der Geschwister suchen und uns von ihnen auch korrigieren lassen. Es bedeutet aber, im Zweifelsfall immer auf das Wort Gottes zu vertrauen. Es ist so wunderbar, die Fesseln der Menschenfurcht abzulegen!

In besonderer Gefahr sind hier Brüder, die für ihren geistlichen Dienst von einer Gemeinde oder Denomination bezahlt werden, eine solche Kombination ist sehr anfällig dafür, Menschen gradezu gefallen zu müssen. Es ist aber Gott allein, der jemanden für einen Dienst am Evangelium in jeder Weise ausrüstet:

"..so, wie wir von Gott bewährt worden sind, mit dem Evangelium betraut zu werden, also reden wir, nicht um Menschen zu gefallen, sondern Gott, der unsere Herzen prüft. Denn niemals sind wir mit einschmeichelnder Rede umgegangen, wie ihr wisst, noch mit einem Vorwand für Habsucht, Gott ist Zeuge; noch suchten wir Ehre von Menschen, weder von euch, noch von anderen, (wiewohl wir als Christi Apostel euch zur Last sein konnten;) mehr als die Ehre bei Gott."
(1.Th.2.4-6)

Wir müssen also dem Heiligen Geist erlauben unser Herz dahingehend zu prüfen, ob wir unsere Worte wählen und Entscheidungen treffen um Menschen zu gefallen, von deren Wohlwollen wir uns abhängig gemacht haben, oder ob es uns wirklich allein um Gottes Ehre geht - das kann uns vor manchem schweren Fehler und fatalem Irrtum bewahren.

Denn es geht sogar noch um viel mehr!
Das Evangelium wird verdreht und verfälscht, wenn wir es nicht völlig ungeachtet vom eigenen Ansehen und dem Applaus der Menschen verkünden - schnell kann sich dann der Segen in das Gegenteil verwandeln. Dem oben zuerst genannten Zitat aus dem Galaterbrief geht nämlich folgende Ansage vorraus:

"Wie wir zuvor gesagt haben, so sage ich auch jetzt wiederum: Wenn jemand euch etwas als Evangelium verkündigt außer dem, was ihr empfangen habt: er sei verflucht! Denn suche ich jetzt Menschen zufrieden zu stellen, oder Gott? Oder suche ich Menschen zu gefallen? Wenn ich noch Menschen gefiele, so wäre ich Christi Knecht nicht"
(Gal.1,9+10)

Es geht also wirklich um etwas!
Die Gemeinde ist schließlich kein Kaffekränzchen oder Wohlfühlclub von Gleichgesinnten, sondern die Herausgerufene, die einzigartige Braut Christi.


"Dem aber, der euch ohne Straucheln zu bewahren und vor seiner Herrlichkeit tadellos darzustellen vermag mit Frohlocken, dem alleinigen Gott, unserem Heiland, durch Jesus Christus, unseren Herrn, sei Herrlichkeit, Majestät, Macht und Gewalt vor aller Zeit und jetzt und in alle Ewigkeit!
Amen."

(Jud.1,24+25)

***

Kommentare:

Second Attempt hat gesagt…

Lieber Bento!

Sehr gute, richtige und nachdenkenswerte Gedanken. Danke dafür!
Ein bissl Bauchweh habe ich bei der Bezeichnung der Gemeinde als "die Herausgerufene, die einzigartige Braut Christi". Okay, das ist biblisch und richtig, dennoch frage ich mich, bzw. frage ich dich, wie das denn heutzutage aussehen sollte?
Die "Braut Christi" unbefleckt, rein und abgesondert in einer Paralellwelt, abgehoben von allem Weltlichen?
Eine etwas orientalisch anmutende, überkommene Vorstellung.
Die "Braut" von heute ist Sekretärin, sitzt am PC und beantwortet Mail. Oder sie steht in Gestalt eines Monteurs am Daimler Montageband und schraubt Luxuskarrossen zusammen. Vielleicht steht sie aber auch, als Bankkaufmann, hinter einem Tresen und erklärt gerade einer armen Socke, dass seine Kreditlinie zurückgefahren wird. - Gut, das sind jetzt Einzelpersonen, aber "die" Gemeinde gibt es ja nicht, sondern immer nur Gemeinde bestehend aus Einzelpersonen, aus Menschen, die zwangsläufig mitten im Leben stehen.
Wie Dietrich Bonhoeffer so treffend schrieb: Wie die Liebe Gottes in die Welt einging und sich dem Mißverständnis und der Zweideutigkeit alles Weltlichen ergab, so existiert die christliche Liebe auch nicht anders als im Weltlichen, in der unendlichen Fülle konkreten weltlichen Handelns aller Mißdeutung und Verurteilung unterworfen.

Es ist also kein Leichtes, heutzutage "Braut Christi" zu sein und zu leben. Nicht jedes Glied der Gemeinde hat die Möglichkeit, sich aller "normalen Unbill des modernen Lebens" zu entziehen, sich z.B. nach Portugal abzuseilen ;-) und von dort Attacken auf das Gewissen der Geschwister zu reiten. (Späßle, sagt man hier im Ländle.)
Manchmal wünschte ich mir bei Christens, speziell bei solchen wie dir, die ich mir durchaus zum Vorbild nehme, etwas weniger von diesem elitären "Herausgerufener-Flair" und dafür etwas mehr Nähe zur Lebenswirklichkeit eines Normalodurchschnittschristen, der, in dem Versuch christliche Liebe im Weltlichen zu leben, "aller Mißdeutung und Verurteilung" unterworfen ist.
Noch'n Bonhoeffer zur Abrundung:
Das "Christliche" ist nicht etwas jenseits des Menschlichen, sondern es will mitten im Menschlichen sein. Das "Christliche" ist nicht ein Selbstzweck, sondern es besteht darin, dass der Mensch als Mensch vor Gott leben darf und soll.

Liebe Grüße, Sec

Geier hat gesagt…

Ergänzung:

Joh. 5
41 Ich nehme nicht Ehre von Menschen;
42 sondern ich kenne euch, daß ihr die Liebe Gottes nicht in euch habt.
43 Ich bin in dem Namen meines Vaters gekommen, und ihr nehmet mich nicht auf; wenn ein anderer in seinem eigenen Namen kommt, den werdet ihr aufnehmen.
44 Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander nehmet und die Ehre, welche von Gott allein ist, nicht suchet?


Das Annehmen von Menschenehre kann also ein absolutes Glaubenshindernis sein (Vers 44). Es bewirkt, daß diejenigen, die nach Menschenehre trachten, diejenigen, die dies nicht tun, nicht mehr aufnehmen (Vers 43) sondern lieber diejenigen, die ihrer Denkart gleichen und im eigenen Namen um eigener Ehre willen auftreten.

>>Sec: Absonderung gehört zu den centralen biblischen Themen, das kann man nicht unter den Tisch fallen lassen. Die Frage kann nur sein, wie dieses Gebot praktisch mit Leben zu erfüllen ist, aber nicht, ob überhaupt.
Das, was Dir als orientalisch anmutende Vorstellung vorkommt, ist genau das, was Christus mit Dir vorhat (Eph. 5, 27). Es geht beim Evangelium nicht darum, die Schuld vergeben zu bekommen, das ist nur die Voraussetzung, aber nicht die Zielsetzung. Ziel ist genau diese orientalische Geschichte mit unbefleckter Braut und so: 1. Kor. 1, 9. Das sollte man vielleicht öfter mal verkündigen. Wenn man sagt, daß Schuldvergebung der Sinn des Evangeliums sei, ist das so, als wenn man sagte, daß das Bezahlen Sinn eines Einkaufs bei Aldi wäre. Der Sinn ist, daß ich was zu Essen im Kühlschrank habe. Daß das ganze auch einen Preis hat, die Voraussetzung.

Ich sehe übrigens nicht so fuchtbar viele Christen, die auf die Notwendigkeit von Absonderung hinweisen. Deshalb denke ich nicht, daß man die wenigen, die noch darauf hinweisen, daß der schmale Weg wirklich schmal ist und die enge Pforte wirklich eng, auch noch so dringend bremsen müßte.

Second Attempt hat gesagt…

@Geier

Es ging und geht mir nicht darum, jemanden zu bremsen - könnte ich ohnehin nicht, will ich aber auch ganz bestimmt nicht. Der zentrale Punkt für mich ist die Frage, wie man sich das denn heute vorzustellen hat.
Übrigens habe ich zum Thema Absonderung noch eine Frage: Ist jemals eine Suppe gewürzt worden, dadurch, dass man das Salz - schön verpackt und in Sicherheit - abseits im Schrank aufbewahrt hat?
Ich denke nicht.

Grüßle, Sec

dikosss hat gesagt…

@Second Attempt:
Ich verstehe Deine Gedanken gut. "Herausgerufen" heißt ja nicht, aus dieser Gesellschaft herausgerufen zu sein, sondern als Herausgerufene IN der Gesellschaft zu leben.
Das ist natürlich täglich eine Herausforderung, die wir nur bewältigen können, wenn wir unsere Beziehung zu Gott pflegen.

Aber ich habe Bento auch nicht so verstanden, dass er hier etwas Elitäres iSv. "Schöner heilig leben in der Isolierung" gemeint hat.
Sein Thema ist ja was anderes:
Unser Streben nach Anerkennung durch Menschen und nicht durch Gott.

Gott ist mit Dir!

sabina hat gesagt…

... ich glaube auch nicht, dass ein ausbremsen möglich ist, wenn der Heilige Geist sich durchsetzen möchte.

Ich bin Sec dankbar für sein Statement. Ohne seinen Kommentar zuvor gelesen zu haben, habe ich selbiges gedacht. Beide (Bento, Geier) habt ihr ja sicherlich recht, mit dem was ihr aussagen möchtet. Und Dirk erinnert an die Kernaussage:
"Unser Streben nach Anerkennung durch Menschen und nicht durch Gott."
Dennoch kann ich hier seit einiger Zeit die Rüffel gegen Gemeinde nur dann von dir (Bento) ernst nehmen, wenn ich konkret auch erlebe, dass sie nicht nur vom Elfenbeinturm gesprochen sind.

Deine wirkliche Motivation und dein Herzensanliegen habe ich dabei dennoch im Blick, liebster Freund und bitte verzeih, wenn ich dich hier im Kommentarfeld kritisiere, statt dich persönlich anzumailen.

Es tut mir (nur bedingt) leid, wenn ich da zu sehr Mensch bin und da sehr nach Authentizität achte, bzw. ich mich persönlich auch gerne als Mensch mit Grundbedürfnissen akzeptiere und annehme und das gerade auch bewusst als Christ.

Was ich auch im Augenblick nicht leiden mag (und mein persönliches Leseverhalten kränkelt hier), Bibelverse aus dem Zusammenhang zu reißen und mit persönlicher Meinung zu überbrücken. Also schau ich bei dir im Moment nur, was deine Meinung ist, ziehe aber keinen Zusammenhang zum Bibelvers. Irgendwie gelingt mir das nicht. Ist das Anfechtung? Keine Ahnung.

Unabhängig von diesem Beitrag, ist mir persönlich zu Hause aufgefallen: liest man zu einem Bibelvers verschiedene Andachtsbücher und Auslegungen, wundert man sich, wie unterschiedlich daraus eine Richtung geprägt wird und man sich am Ende gar nicht mehr auskennt.

Das ist an sich nicht verkehrt, so bunt inspiriert zu werden,lese ich doch auch unwahrscheinlich gerne christliche Autoren meines Herzens. Doch: es könnte auch sein, dies verhindert oft ein "direktes Reden Gottes mit mir persönlich". So jedenfalls mein Fragen, in wie weit ich den Glauben des anderen annehme und mich selber dabei amputiere.

... na jedenfalls ist mir jetzt durch dein Post erklärlich, warum du auf Facebook geistliche Aktivitäten mit Daumenhoch beklatscht und weltliches Einerlei kommentarlos liest ;-)

Bento hat gesagt…

Liebe Geschwister,
wooow - ich bin beeindruckt von euren hochkarätigen Kommentaren!


@ Sec,
sehr gerne!
Ja, das ist eine berechtigte Frage nach dem "Wie", die allerdings wohl jeder für sich selber beantworten muss. Ich denke allerdings nicht, dass wir damit "heutzutage" vor anderen Herausforderungen stehen, als die Christen zu allen Zeiten!

Als ich Christ geworden war, wurde mir der Ruf aus Off.18,4 so sehr ein persönliches Reden Gottes, dass ich meinen gut bezahlten Job als selbständiger Werbefotograf an den Nagel gehängt habe (was für eine Redewendung!!), wir alles aufgelöst haben und uns in den "flow" begeben haben - ohne Hintertürchen, ohne ein konkretes Ziel, ohne Rücklagen, ohne Versicherung usw. Es ist uns sehr zum Segen geworden und wir leben seither und heute noch ohne jede Rückversicherung von der Hand (Gottes) in den Mund.

Unter den vielen wunderbaren Offenbarungen, die uns dies brachte, ist auch die Erkenntnis, das jedes "Auswandern" auch ein "Einwandern" bedeutet - von einer Kultur in die andere, von einer Lebensweise, in eine andere. Wir können nicht 2 Leben gleichzeitig leben, so verstehe ich das Herausgerufensein und es hat m.E. sehr viel mit Menschenfurcht zu tun, wenn es uns an Gottesfurcht und dem daraus fließenden Segen mangelt.

Zu dem Vergleich mit dem Salz nur eine Gegenfrage - was ist denn, wenn das Salz salzlos geworden ist und seine Würze verloren hat? Selbstverständlich geht es nicht um Isolation!

Wie gesagt, geht da jeder seinen eigenen Weg und muß entsprechende Entscheidungen treffen oder eben nicht. Wir stehen hier jedenfalls genauso "mitten im Leben", nur haben wir es hier mit anderen Vorraussetzungen zu tun. Ich möchte mich auch hier nicht rechtfertigen, sondern verständlicher machen...

...und stimmt - zu bremsen bin ich sowieso nicht! :-))

@ Geier,
vielen Dank für diese Ergänzung und den Hinweis auf Joh.5!
Mir scheint der Trend auch deutlich eher weiter in Richtung Kompatibilität mit der Welt zu gehen, andererseits hat das auch den Effekt, dass es manchem einfach "zu bunt" wird und er das Schiff verlässt.
Dein Vergleich mit der Aldikasse ist großartig!

@ Dirk,
sehr guter Hinweis - du hast mich da richtig verstanden!

@ Sabina,
wie gut, wenn eine Schwester das theoretische Gebäude der Brüder nach ihrer tatsächlichen Stabilität hin überprüft! :-)
Von daher empfinde ich deine "Kritik" auch gar nicht als solche, sondern als berechtigte Rückmeldungen auf dem gesunden Boden geschwisterlichen Lebens.

Du sprichst die "Grundbedürfnisse" an - was genau meinst du denn damit?
Nahrung, Kleidung und Unterkunft plus gesunde Beziehungen?
Meine "Grundbedürfnisse" haben sich da sehr verändert und verändern sich weiter in die Richtung, dass ich immer mehr nach geistlicher Nahrung, Bekleidung und Unterkunft suche und das auch besonders, was Beziehungen betrifft. Das ist der Weg, den ich geführt werde, daher findet man tatsächlich selten einen "thubs up" von mir, wenn es darum geht, dass jemand endlich eine neue Tapete hat... ;-)

Ich lese auch keine Kommentare oder Auslegungen zur Bibel - wenn mir ein Thema auf dem Herzen ist, dann schreibe ich aus meinen "Orginalgedanken" heraus (die natürl. auch von Geschwistern inspiriert werden!) - ob etwas im Zusammenhang mit der gesamten Aussage der Schrift steht oder nicht, muß der Leser dann wohl selber prüfen.

Bin jedenfalls froh, dass du meiner ständigen "Rüffel in Richtung Gemeinde" noch nicht überdrüssig geworden bist und du die eigentliche Intention dahinter wahrnimmst.
Im Übrigen versuche ich ja seit geraumer Zeit meinen "Elfenbeiturm" dauerhaft zu verlassen und mich in´s Getümmel zu stürzen - warum sich das so hinzieht und mir bisher noch nicht vergönnt ist?... ;-)

Segen Euch

Apassionata hat gesagt…

" Die Gemeinde ist kein Kaffekränzchen oder Wohlfühlkub, erinnert mich an das Buch "Gemeinsames Leben" von Dietrich Bonhoeffer. Ja ich bin auch beeindruckt von den Kommentaren, so hochkarätig geistlich. Das von Menschenfurcht frei machen ist eine schwere Arbeit. Aber ich gebe zu, wenn man nur zu Gott aufblickt und seine Sichtweise sucht, das schenkt dann doch das Vertrauen, egal wie was läüft, es muß an Gott vorbei, und das ist und wird dann gut, egal wie beschissen man sich dabei fühlt.

wegbegleiter hat gesagt…

Die Kommentare hier sind so gut und so ergänzend, dass ich nicht meinen Senf noch dazu gebe...;-) - nur soviel:

Die Ehrfurcht vor Gott begräbt in sich jede andere Furcht.

Äh, ist von mir, sage ich Sonntag in der Predigt. Die Frage ist also: warum haben wir so wenig Ehrfurcht vor Gott? Doch wohl: weil die Kontrasterfahrung oft zu gering ist, sprich: Gottes Liebe und Kraft im Verhältnis zu meiner Verlorenheit ohne ihn und meiner Kraftlosigkeit. Kurz: ehrlich werden über Gottes Realität und die eigene Realität, das könnte ein Weg sein, wenn auch einer, der schmerzhaft, aber heilsam alle Fassaden herunter reißt, die man auch als Christ sein Leben lang hier und da hochhält aus Angst, aus Egoismus, aus Stolz, aus was auch immer...

Segen.

Bento hat gesagt…

Liebe Apassionata,
genau, das Gottvertrauen befreit uns vom Selbstvertrauen und den damit verbundenen Versagensängsten.

Hi Wegi,
schöner Merksatz!
Jo - gut möglich, dass es hier gelegentl. an Erfahrungen mangelt, denn wenn wir das himmlische "Kontrastprogramm" erstmal geschmeckt haben, werden wir uns nicht mehr so sehr nach der "Frittenbude" sehnen... ;-)

Segen

jovan hat gesagt…

Nachdem ich die ersten Kommentare gelesen hab, war ich in der Küche und hab mal ein bisschen die Gedanken laufen lassen.
Ich find's spannend, dass ich bei total vielen Posts auf dem Blog hier meine Unterschrift drunter setzen könnte, dabei dürften wir großteils eine ganz andere Prägung haben, oder Bento? (bis auf Storch, Helm und seit neustem enterhisrest) Und obwohl ich das unterschreiben kann, gehe ich arbeiten und bin fest in einer Gemeinde eingebunden, also ein ganz normaler Christenalltag. ;o) Naja, noch ein bisschen härter, weil ich auch noch zu Hause Gemeinde leben "muss". ;o)

Ich denke, Isolation ist definitiv der falsche Weg, aber ich denke, Isolation ist der richtige Weg. - HÄ?!? - Wir müssen gucken, was wir mit Isolation meinen. Ich zitier mal einen Satz von dir, Sec:
"Die 'Braut Christi' unbefleckt, rein und abgesondert in einer Parallelwelt, abgehoben von allem Weltlichen?"
3/4 halte ich für unumgänglich, 1/4 für dumm. Die 3/4 sind: "Die 'Braut Christi unbefleckt, rein und abgehoben von allem Weltlichen?" Dabei bedeutet weltlich die DenkWEISE, die DenkART der Welt. Ich weiß grade nicht, wie ich das verdeutlichen soll, deshalb lass ich das erstmal ruhen.
Das letzte Viertel ist "abgesondert in einer Parallelwelt." Das ist keine gute Alternative zum Evangelium, auch wenn es seit ich denken kann in der heutigen Christenheit üblich ist. Ich bin da ja selber jahrelang mitgeschwommen, bis ich mich bekehrt habe. Ich finde es gruselig, dass für fast alles, was es im säkularen Bereich gibt, ein christliches Pendant existiert. Massenweise Romane und sonstige Bücher für jeden Geschmack, die Lobpreiswelle der meisten Musiker, fast jeder Werbespruch bekommt einen christlichen/geistlichen Anstrich und wird in der christlichen Parallelwelt vermarktet. Es gibt echt soviel Unfug in christlichen Katalogen... Es ist zum Heulen, dass Satan damit so viele Christen und Menschen, die denken, sie seien Christen, zum Narren hält... Ich habe sogar fast die Vermutung, wenn ein Nichtchrist (um nicht zu sagen Antichrist) es schlau genug anstellt, sich gut über die christliche(n) (Sub-)Kulturen informiert und dann einen christlichen Medienverlag übernehmen würde, würden es die meisten gar nicht bemerken und er könnte ungehindert sehr viel Schaden anrichten, indem er Massenweise Christen lähmt... Zum Glück sind die Verlage momentan hauptsächlich auf Geld aus.
Wie viel mehr ist es also wichtig, den alten Sauerteig komplett auszufegen, wie Paulus in Anlehnung ans Passahmahl auffordert. Wir brauchen eine Kompletterneuerung unseres Denkens. Es reicht nicht aus dem alten Sauerteig christliche Brote zu backen, sondern wir müssen tiefer gehen und unsere Denkweise erneuern LASSEN. Wie das geschieht, ist nochmal ne ganz andere, wunderbare Sache... *-*

jovan hat gesagt…

PS: Es gibt zwei verschiedene Gegensätze zu Isolation. Einmal Integration, die ich befürworte. Wir sollen mit den Leuten auch noch so reden können, dass sie uns verstehen. Der zweite ist Vermischung. Gott beginnt schon im 1. Mose damit, dass wir uns nicht mit anderen "Völkern" bzw. deren Gedankengut vermischen sollen, was zum Beispiel durch Ehen oder vorhergehende enge Beziehungen stark gefördert wird.

Bento hat gesagt…

hea Jovan,

ja, ich nehme das auch so wahr, dass wir in den meißtens "eines Sinnes" sind - Halleluja! :-)

Dass nun jeder unterschiedliche Perspektiven und persönliche Erfahrungen mitbringt, ist ja nur bereichernd. Niemand kann den Weg des anderen gehen und ich hoffe auch nicht, dass nun alle ihre Arbeit kündigen und nach Portugal auswandern... ;-D

Die Absonderung ist ein vielschichtiges Thema, wichtig ist, dass wir es nicht unterschätzen oder gar aus den Augen verlieren - die Beispiele, die du nennst, sind erschreckend und beschämend...

"aus altem Sauerteig christliche Brote backen" - das ist ein genialer Spruch! :-)

Sehr guter Hinweis auch auf das AT und die "Vermischung" mit den Völkern!

Segen