Donnerstag, 27. März 2008

Selbstmordattentäter

Wenn wir fast täglich über Selbstmordattentate in den Medien informiert werden, dann stehen wir dem verständnislos und fassungslos gegenüber.

Hass, religiöser Fanatismus und Sinnlosigkeit scheinen uns die einzigen Erklärungen zu sein - doch dabei wird eines häufig übersehen: Die selbstlose "Opferbereitschaft" der Täter und ihre Sehnsucht nach dem Paradies!

Ja, für diese Leute ist ihr Tun keineswegs sinnlos. Und so "selbstlos" ist das Ganze gar nicht, sondern sie rechnen fest damit, direkt in den Himmel aufgenommen zu werden und dort an aller Herrlichkeit Anteil zu bekommen!

Wie anders leben doch die meißten Christen - zwar haben wir Gottes Herrlichkeit als ferne Verheissung schon mit auf dem Schirm, aber mal Hand auf´s Herz - wünschst du dir wirklich, heute noch den Planeten hinter dir zu lassen?? Erstmal haben wir uns doch hier im Diesseits eingerichtet und verwenden viel Zeit und Mühen darauf, unsere Zelte wetterfest und gemütlich zu machen. Alle unsere Bemühungen sind, selbst wenn es sich um geistliche Dinge handelt, doch auf ein "weiter, mehr und vorwärts" ausgerichtet. Klar bringen wir auch unsere Opfer... aber muss es denn gleich das ganze schöne Leben sein?

Nun bin ich mir sehr wohl bewusst, wir provokant grade der Vergleich mit den Selfkillers ist, aber worauf ich hinaus will ist dies: Wir denken linear und zeitlich, zwar sind wir durch Gebet und Geist mit Gott verbunden, aber das reicht doch auch erstmal - "irgendwann" werden wir dann ja sowieso mal ganz bei Ihm sein.

Ich denke, das ist nicht die "Geisteshaltung", die Jesus uns empfohlen hat. Wir sollten nicht nur ständig mit seiner Wiederkunft und unserer Entrückung rechnen, sondern diese herbeisehnen und freudig erwarten!

Dann sind wir die Jungfrauen, die mit ihren brennenden Lampen zum Fest eingehen, wenn der Bräutigam kommt, das sind die, die nicht umkehren, um ihren Mantel zu holen, und die, die Tag und Nacht wachen, um nicht etwa unvermutet überrascht zu werden... uswusw.
Jesus hat uns eine Vielzahl von Bildern gegeben, die genau diese Haltung und dauernde Bereitschaft meinen, die uns das eigentliche Ziel und den Sinn der ganzen Übung vor Augen malt.

btw - das Paradies ist nicht im Jenseits angesiedelt, sondern "jenseits vom Jenseits"! (siehe 2.Kor.12,2-4)

Dies heisst ja nicht, dass wir unsere Arbeit im Weinberg einstellen sollen und nur noch in den Wolken Ausschau halten, ob Jesus da schon zu sehen ist. Es bedeutet aber doch, dass wir uns nicht vornehmlich nach "mehr Ertrag" sehnen, sondern nach dem trachten, was jetzt schon OBEN IST (so könnte man Mt.6,33 doch gewiss auch verstehen).
Es macht doch einen riesen Unterschied, ob ich das Ziel am Ende eines langen Weges lokalisiere, oder ob ich mir der Existenz dieses Ziels IMMER bewusst bin und mich danach sehne -
lieber heute, als morgen!!

Eventuell haben uns diese armen getäuschten und irregeleiteten Selbstmordheinis da doch tatsächlich was vorraus - oder? Und das, obwohl sie einer Illusion hinterherjagen und ein bitteres Desaster erleben werden, das jenes noch weit übertrifft, das sie hier angerichtet haben...


"Trachtet nach dem, was oben ist und nicht nach dem, was auf der Erde ist."

(Kol.3,2)

***

Kommentare:

frohebotschaft hat gesagt…

Ich denke nicht, dass diese Leute in irgendeiner Hinsicht uns etwas voraus haben. Was die "Selbstmordheinis" antreibt ist der Hass auf die Ungläubigen, auf die Menschen, auf die Welt, ...

Jesus ist da genau entgegengesetzt. Gott liebt die Welt. Und "Jesus nachfolgen" bedeutet deshalb auch immer lebensbejahend zu sein. Das Leben soll geehrt und geschützt werden. Das ist auch ein Weg, Gott zu ehren, indem wir das ehren, was er geschaffen hat.

Und Gott sei Dank werden wir hier in Deutschland nicht herausgefordert, unser Leben für Gott zu opfern. Aber ich denke, es wären einige bereit, so wie auch in den muslimischen und kommunistischen Ländern einige Christen bereit sind, für Gott zu sterben. Nur ist das ein stilles, gewaltloses Martyrium (ohne Sprengstoff und Unbeteiligte werden auch nicht getötet). Deshalb bekommt die Welt nicht viel davon mit.

Unsere Dekadenz treibt uns natürlich dazu, sehr an diesem Leben zu hängen. Insofern gibt es bei der überwiegenden Mehrheit vielleicht doch ein Problem. Die Geschichte mit dem Kamel und dem Nadelöhr eben ...

Grüße, Philip

Bento hat gesagt…

...ohne dir im Geringsten wiedersprechen zu wollen, finde ich diese "religiöse Hingabe" und bes. die Zuversicht auf die "Belohnung" schon bemerkenswert.

Klar sind die Mittel genau andersrum, aber Jesus hat sein Leben auch freiwillig gegeben und wir halten uns oft jämmerlich daran fest - mit mehr Selbstlosigkeit der Boten, wäre der Botschaft sicherlich mehr gedient...
ja, die verfolgten Geschwister sind uns da schon ein Vorbild!

frohebotschaft hat gesagt…

Wir brauchen beides, Bereitschaft zum Tod und Bereitschaft zum Leben. Den Selbstmordattentätern fehlt das letztere.

Philip